Premiere im Mai: Erdoğan bewirft Polizisten mit Molotow-Cocktails

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat sich am 1. Mai unter Demonstranten gemischt und die Polizei mit Molotow-Cocktails beworfen. Bei seiner anschließenden Vernehmung outete er sich und entließ die Beamten. Der Grund: Die Beamten seien nachlässig gewesen. Denn er hätte keine blauen Flecken am Körper.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan soll sich bei den Kundgebungen zum 1. Mai heimlich unter gewaltbereite Demonstranten gemischt und Polizisten mit Molotow-Cocktails beworfen haben. Unklar bleibt, ob er als Agent Provocateur geheimer externer Mächte agierte oder seinem Frust über die türkische Notenbank, die sich durchgehend gegen eine Senkung des Leitzinses weigert, freien Lauf lassen wollte.

Bei seiner Festnahme und anschließenden Vernehmung sagte er: „Bei Ali Baba und den vierzig Dieben, ähhm Räubern! Du, du und du, ihr alle seid gefeuert! Es kann nicht angehen, dass ich bis zu meiner Ankunft im Gefängnis keine blauen Flecken an meinem Körper feststellen konnte. Übrigens blutet auch meine Nase nicht. Ihr seid wegen Nachlässigkeit im Dienst gefeuert. Man könnte glauben, ihr arbeitet für die Zinseszins-Lobby“.

Der Oppositions-Führer Kemal Kılıçdaroğlu, der sofort von dem Vorfall benachrichtigt wurde, versuchte die Situation schamlos für den Wahlkampf auszunutzen. „Da, seht ihr? Ich habe euch doch gesagt, dass der Mann gefährlich ist. Das ist der einmalige Beweis dafür, dass nicht meine angebliche Unfähigkeit ausschlaggebend für unsere endlosen Niederlagen ist, sondern dieser Mann, der da im Präsidentenpalast sitzt. Er stiftet durchweg Unruhe“, so Kilicdaroglu.

Hinter der Molotow-Aktion Erdoğans könnte auch eine ganz raffinierte Wahlkampf-Strategie zugunsten der AKP stecken. Als die selbsternannten linken Demonstranten in Istanbul mitbekamen, dass Erdogan tatsächlich Polizisten angegriffen hat, fingen sie an zu skandieren „Erdoğan can change! Erdoğan can change“.

„Wenn der Mann so weiter macht, dann teilt er dieselben Werte wie wir. Ich kann mir mittlerweile vorstellen, bei den anstehenden Wahlen für die AKP zu stimmen“, so ein linker Demonstrant aus dem Reichen-Viertel Şişli.

Wer nichts von dem Vorfall mitbekam, war der Chef der kurdischen HDP, Selahattin
Demirtaş, der im Istanbuler Stadtviertel Beyoğlu mit 3,2 Promille Blutalkohol am Steuer von der Polizei angehalten wurde und einen Strafzettel bekam. Er begegnete den Beamten mit der üblichen Reaktion: „Ihr Rassisten! Das macht ihr nur, weil ich Kurde bin“.

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