«Charlie»-Künstler Luz will keine Mohammed-Karikaturen mehr zeichnen

Wenige Monate nach dem Terroranschlag auf das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» will sein Zeichner Luz keine Mohammed-Karrikaturen mehr zu Papier bringen. Er sei dem Thema überdrüssig geworden, so der Künstler. Von ihm stammt der erste Titel nach dem Anschlag, der einen weinenden Propheten Mohammed mit «Je suis Charlie»-Schild zeigt.

Der «Charlie Hebdo»-Zeichner Luz will künftig keine Mohammed-Karikaturen mehr zu Papier bringen. Die Figur interessiere ihn nicht mehr, sagte er fast vier Monate nach dem blutigen Anschlag auf das französische Satiremagazin in einem Interview des Magazins «Les Inrockuptibles». «Ich bin ihm überdrüssig geworden, genauso wie (Ex-Präsident Nicolas) Sarkozy. Ich werde nicht mein ganzes Leben damit verbringen, sie zu zeichen.»

Luz – mit bürgerlichem Namen Renald Luzier – hatte das Titelbild der ersten Ausgabe nach dem islamistischen Anschlag gezeichnet. Es zeigte einen weinenden Propheten Mohammed mit «Je suis Charlie»-Schild und dem Slogan «Alles ist vergeben». Das Satiremagazin war auch wegen des Abdrucks von Mohammed-Karikaturen ins Visier von Extremisten geraten: Nach den Glaubensvorstellungen von Muslimen sollen weder Gott noch Mohammed oder andere Propheten bildlich dargestellt werden.

Auch in der Türkei hatte das Thema für Aufruhr gesorgt. Anfang März wurde schließlich die offizielle Webseite des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ blockiert.

Bereits kurz nach den Attentaten in Paris hatte ein Gericht in Diyarbakir im Südosten Landes die Sperre von Internetseiten angeordnet, die die Mohammed-Karikatur von Charlie Hebdo veröffentlichen. Der Beschluss Mitte Januar bezog sich auf vier Seiten. Über das unabhängige Internetportal T24 waren damals allerdings weiterhin die kompletten 16 Seiten der damals neuen Ausgabe von «Charlie Hebdo» in türkischer Übersetzung für Nutzer aus der Türkei zugänglich. Die Karikatur zeigte einen weinenden Propheten Mohammed, der ein Schild mit der Aufschrift «Je suis Charlie» hält (mehr hier).

Schon vor dem Gerichtsbeschluss hatte die linksnationalistische Zeitung «Cumhuriyet» in ihrer Druckausgabe eine vierseitige «Charlie Hebdo»-Beilage verbreitet. Das in der Türkei wegen der Mohammmed-Karikatur besonders umstrittene Titelbild des Satiremagazins wurde allerdings nicht in der Beilage, sondern nur verkleinert auf zwei anderen Seiten in der Zeitung abgedruckt. Mit der Aktion rief die Redaktion umgehend die türkische Polizei auf den Plan. «Cumhuriyet» nannte den Nachdruck, der mit türkischen Texten erschien, «ein Beispiel der Solidarität». Auf der Titelseite schrieb das Blatt: «Wir wollen den Kampf der Meinungsfreiheit in der Welt unterstützen.» (mehr hier).

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