Eklat: Türkischer Minister nennt Obama-Sprecherin „dumme Blondine“

Ein türkischer Politiker legt sich mit US-Präsident Barack Obama an: Der Bürgermeister von Ankara schmähte die Sprecherin des US-Außenministeriums als „dumme Blondine“. Die US-Regierung zeigte sich empört und legte einen offiziellen diplomatischen Protest ein. Sanktionen gegen die Türkei sind noch nicht geplant.

Ankaras Bürgermeister Melih Gökçek hatte Marie Harf, die Sprecherin des US-Außenministeriums, vergangene Woche direkt mit einem Twitter-Kommentar angegriffen. In seinen Zeilen nannte er sie nicht nur eine „dumme Blondine“, er forderte auch, dass sie zur Polizeigewalt bei den Ausschreitungen in Baltimore im Zuge des Todes von Freddie Gray Stellung zu nehmen habe. Immerhin hätte sie zuvor auch das unverhältnismäßige Gebaren der türkischen Beamten während der Proteste im Jahr 2013 kritisiert.

Die Reaktion von Seiten der USA folgte auf dem Fuße: Sowohl die Staatssekretärin für Europa und Eurasien, Victoria Nuland, als auch der US-Botschafter in Ankara, John Bass, wurden bei der türkischen Regierung vorstellig. Das berichtet die International Business Times.

Bass, einstiger Botschafter von Georgien und seit 2014 in Ankara (mehr hier), reagierte zudem äußerst souverän und humorvoll und gab dem türkischen Bürgermeister via Instagram Konter. Über Bilderdienst verbreitete er nun sein eigenes Porträt mit blonden Haaren. Dazu schrieb er: „Wir sind alle Blondinen“.

Zu Spannungen kam es bereits unter Bass‘ Vorgänger. 2013 waren die türkisch-amerikanischen Beziehungen im Zuge des Korruptionsskandals in der Türkei einer echten Belastungsprobe ausgesetzt. Nachdem der  damalige Premier Erdoğan dem zu jener Zeit amtierenden US-Botschafter Francis Ricciardone indirekt mit einer Ausweisung drohte, feuerten die Amerikaner zurück. Von türkischer Seite werde das Klima mit gewissen Aussagen „vergiftet“. Dieser hatte sich zuvor kritisch über die Einschränkung der Meinungsfreiheit in der Türkei und die Maßregelung der Justiz durch die Regierung in Ankara geäußert.

„Die USA fühlen sich nicht wohl damit, dass die bilateralen Beziehungen als ein Werkzeug in der Innenpolitik der Türkei benutzt werden. Wir sind besorgt, dass unangemessene Aussagen unsere Beziehungen vergiften. Wir erwarten von Ihnen, Aussagen, die die Zukunft unserer Beziehung gefährden könnten, zu unterlassen“, hieß es damals in einer Nachricht, die die US-Administration an die Türkei übersandt haben soll.

Marie Harf verhielt sich im aktuellen Fall übrigens zurückhaltend. Sie wolle die Worte des Bürgermeisters nicht mit einer Antwort würdigen, so die New York Times. Gleichzeitig verteidigte sie aber die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, kontroverse Themen frontal zu konfrontieren.

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