Börse: Türkei hängt Deutschland ab

Der ISE 100-Index der 100 größten Werte an der türkischen Börse hat 2014 um 20 Prozent zugelegt. Der deutsche Aktienindex DAX hingegen nur um ein Prozent. Die türkische Wirtschaft wächst weiterhin rasant und die demografischen Strukturen versprechen für die nächsten Jahre noch viel mehr Wachstum.

Während die europäischen Märkte schwächeln, geht es der Türkei wirtschaftlich glänzend. Analysten glauben, dass das so bleiben wird, denn die türkische Gesellschaft ist jung und konsumfreudig. Selbst deutsche Energieunternehmen planen in Zukunft mit dem türkischen Markt und dessen steigenden Energiebedarf. Trotz innenpolitischer Probleme und gravierender Grenzkonflikte konnten sich die türkischen Unternehmen behaupten. Auch die Investoren ließen sich im vergangenen Jahr nicht nennenswert abschrecken.

Warum die türkische Wirtschaft weiter wächst

Was oft als die Achillesferse der türkischen Wirtschaft dargestellt wird, war in diesem Fall ihr großes Glück. Die Exportwirtschaft der Türkei macht nur 25 Prozent der eigentlichen Volkswirtschaft aus, so Inverstor-Verlag. So konnte die Finanzkrise die Türkei nicht nennenswert treffen. Es gab für sie keine schwächelnden Exportmärkte, die ihr Wirtschaftswachstum hätten bremsen können. Hohe Importe mussten weiterhin die Binnensachfrage stillen. Das ist eng verbunden mit der Demographie des Landes. Laut dem türkischen Amt für Statistik leben über 76 Millionen Türken in dem Land, was es zu einem der bevölkerungsstärksten Länder Europas macht. Größer sind unter anderem Deutschland und Russland. Die türkische Bevölkerung ist dabei vergleichsweise jung. Laut der staatlichen Plattform „Invest in Turkey“ ist das Durchschnittsalter bei 30,1 Jahren. Alleine im Finanzzentrum Istanbul leben über 14 Millionen Menschen. Die Direktinvestitionen in die Türkei steigen beständig, auch in den Jahren 2012 und 2013, was sonst kein aufstrebender Markt von sich behaupten konnte.

Türkischer Markt auch verletzlich

Ganz entkoppelt von der Weltwirtschaft funktioniert der türkische Markt letztendlich auch nicht. Ein deutlich kleineres Wachstum im zweiten Quartal, als ursprünglich angenommen, gefährdet das Ziel der Regierung wieder ein Wirtschaftswachstum von vier Prozent zu erreichen, so die Hurriyet. Die Vorhersage für die deutsche Wirtschaft präsentiert sich hier vergleichsweise strak.  Auch ihr wird ein Wachstum von mehr als zwei Prozent vorhergesagt, so Statista. Nach Angaben des türkischen Statistik Instituts (TÜİK) von diesem Mittwoch ist das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2014 nur um 2,1 Prozent gewachsen. Dieser Wert liegt nicht nur deutlich unter den meisten Prognosen. Auch im Vorjahreszeitraum sah das Wachstum mit 4,6 Prozent ganz anders aus. Noch in den ersten drei Monaten deutete die Tendenz für den weiteren Verlauf des Jahres in eine andere Richtung. Mit den aktuellen Zahlen steigt nun auch der Druck auf die türkische Regierung sowie die Zentralbank, ihr anvisiertes Jahresziel von vier Prozent zu erreichen (mehr hier). Auch die Ratingagentur Fitch hat vor „wirtschaftlichem Populismus“ in Hinblick auf die kommende Wahl im nächsten Jahr gewarnt.

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