Nach Mai-Demonstrationen: Polizei geht gewaltsam gegen Anwälte in Istanbuler Gericht vor

Die Istanbuler Polizei ist im Zuge der Mai-Demonstrationen nicht nur gegen Demonstranten, sondern auch gegen Anwälte vorgegangen. Die Juristen wollten vor Gericht gegen Hunderte Festnahmen demonstrieren. Darauf hin zückten die Beamten die Schlagstöcke.

Im zentralen Istanbuler Gerichtsgebäude ist es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Anwälten gekommen. Sicherheitskräfte hinderten die Gruppe am Montag gewaltsam daran, im Gerichtsgebäude eine Presseerklärung zu den 1.-Mai-Demonstrationen zu verlesen. Die Anwälte wollten damit gegen Hunderte Festnahmen am vergangenen Freitag protestieren, wie die Tageszeitung «Hürriyet» berichtete. Polizisten hätten die Juristen mit Schlagstöcken aus dem Gerichtsgebäude gedrängt.

Am vergangenen Freitag war es bei den 1.-Mai-Demonstrationen in der Türkei zu schweren Zusammenstößen gekommen (mehr hier). Nach neuesten Angaben der Polizei wurden 408 Menschen festgenommen. Davon seien 173 wieder auf freiem Fuß. Gegen zehn Demonstranten sei Haftbefehl erlassen worden. Sicherheitskräfte hätten unter anderem Masken und Molotov-Cocktails beschlagnahmt.

Im April war ein neues Gesetzespaket in Kraft getreten, das unter anderem das Demonstrationsrecht verschärft. Seitdem kann Vermummung bei Kundgebungen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Wer Molotow-Cocktails, Steinschleudern oder Feuerwerkskörper bei sich hat, muss mit bis zu vier Jahren Haft rechnen.

Mehr zum Thema:

Tränengas und Wasserwerfer gegen 1.-Mai-Demonstranten in Istanbul
Istanbuler Taksim-Platz zum 1. Mai abgeriegelt – Proteste erwartet
Nach den Mai-Protes​ten: Der Türkei droht ein unruhiger Sommer

 

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.