US-Denkfabrik: Die Türkei hat sich aus Falle der EU gerettet

Der Chef-Stratege der US-Denkfabrik Stratfor ist erfreut über die Verwirrungen zwischen der Türkei und der EU. Die Türkei gehöre nach Europa aber nicht in die EU. Das Land müsse seinen eigenen Weg gehen.

Die Türkei hat sich aus der „Falle“ einer EU-Vollmitgliedschaft gerettet. Das eröffnet dem Land ungeahnte Möglichkeiten im Nahen Osten, im Kaukasus und auf dem Balkan. Diese Ansicht vertritt zumindest der Chef des privaten US-Geheimdiensts Stratfor, George Friedman.

Friedman war im Sommer 2014 in der Türkei und sprach auf einer Veranstaltung des Unternehmer-Vereins Anatolische Löwen (ASKON). „Ein türkischer EU-Beitritt wäre eine große Überraschung gewesen – doch keine positive“, zitiert Bloomberg HT den Stratfor-Chef.

Die Türkei sei ein unverzichtbarer Partner der USA. Ankara müsse nun Entscheidungen bezüglich der Zukunft seiner Nachbarschaft fällen. Friedman brüstete sich damit, dass er schon 2006 vorhergesehen habe, dass die Türkei zu einer Regionalmacht heranwachsen werde. Er freue sich über die aktuelle Entwicklung, weil er in seiner Analyse bestätigt wurde.

Auch die aktuelle EU-Krise komme der Türkei zugute. Denn sie sei schlichtweg kein Teil der EU und befinde sich außerhalb der Euro-Zone. Doch das Land gehöre zu Europa.

Türkei-Proteste sind nichts Besonderes

Friedman sagte über die regierungskritischen Proteste im Land:

„Gestern gab es erneut Kundgebungen und Proteste. Doch wo gibt es die nicht? In den USA haben wir jedes Wochenende Proteste. Die Stabilität und den Erfolg einer Regierung können sie nicht nach den Ansprüchen und Wünschen von Regierungs-Gegnern beurteilen. Es wird immer Kritiker und Befürworter geben. Das liegt in der Natur der Demokratie.“

Er empfehle der Türkei, die bilateralen Beziehungen mit den USA zu stärken. Dasselbe gelte für Polen und Japan, die sich in ähnlichen machtpolitischen Ausgangs-Positionen befinden. Die USA sei ein unverzichtbarer Partner für alle drei Staaten.

Denn Amerika kontrolliere alle Ozeane und mache ein Viertel der Weltwirtschaft aus. „Sie müssen mit uns leben. Egal, was wir manchmal für einen Unsinn verzapfen“, so Friedman. Die USA stünden türkischen Unternehmen auch als Export-Markt zur Verfügung.

Krieg zwischen USA und Türkei im Jahr 2050

Insgesamt habe die Türkei eine verhältnismäßig stabile Wirtschaft und ein starkes Militär. Das Land habe wahrscheinlich das beste Militär in Europa und könnte die Deutschen innerhalb der Zeitspanne eines Nachmittags und die Franzosen innerhalb einer Stunde besiegen, sagte Friedman auf dem Sydney Writer`s Festival 2009.

Doch Friedman ist kein Türkei-Freund, sondern ein US-Stratege. Er sagte zuvor in einem Interview mit Terence Monmaney von smithsonian.com, dass im Jahr 2050 ein Weltkrieg zwischen den USA und der Türkei ausbrechen werde. Auf Seiten der Türkei werden die Japaner und auf der Seite der Amerikaner die Polen kämpfen.

Deutschland und Frankreich werden sich in der Spätphase des Kriegs auf die Seite der Türken und Japaner stellen. Großbritannien, Indien und China werden Partei für die USA und Polen ergreifen. Auslöser des Kriegs werde der Machtanspruch Japans und der Türkei im Weltraum und auf den Ozeanen sein.

Die USA werden den Krieg gewinnen. Diese Voraussage hat Friedman bisher bei seinen Auftritten vor türksichen Unternehmern und Organisationen verschwiegen. Er beschreibt die möglichen Ereignisse in seinem Buch „The Next 100 Years: A Forecast for the 21st Century“.

Bisher sind alle „Friedmanschen Prophezeiungen“ eingetroffen.

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