Türkisches Wirtschaftswachstum hängt EU ab

Laut einem Bericht der Europäischen Union, hat die Türkei ein höheres Wirtschaftswachstum als 24 der 28 europäischen Mitgliedsstaaten. Auch für die Jahre 2015 und 2016 geht der Report von einer konstant wachsenden türkischen Volkswirtschaft aus. Für diesen Trend soll günstigeres Öl und der starke türkische Arbeitsmarkt verantwortlich sein.

Die türkische Wirtschaft wird trotz kleiner Schwächen weiter wachsen. (Foto: Flickr/ Ship construction worker by International Labour Organization CC BY 2.0)

Die türkische Wirtschaft wird trotz kleiner Schwächen weiter wachsen. (Foto: Flickr/ Ship construction worker by International Labour Organization CC BY 2.0)

Der positive Trend der türkischen Volkswirtschaft setzt sich weiter fort. Auch wenn  an die Wachstumsraten der vergangenen Jahre nicht angeschlossen werden kann und die Lira kontinuierlich an Wert verliert, kann sich der türkische Markt gegenüber europäischen Konkurrenten weiterhin durchsetzten. Die europäischen Führungsmächte Deutschland, Großbritannien und Frankreich lässt die Türkei damit erneut hinter sich, auch wenn diese wirtschaftlich insgesamt weiter entwickelt sind.

Binnennachfrage weiter hoch

Nachdem die türkische Volkswirtschaft im Laufe des vergangenen Jahres mit einem wirtschaftlichen Wachstum von lediglich 2,9 Prozent etwas schwächer geworden war, soll 2015 ein insgesamt stärkeres Jahr werden. Die Europäische Union geht in ihrer Frühjahrsprognose von einem Wachstum von 3,2 Prozent aus. Weiterhin glauben die europäischen Ökonomen, dass das Bruttoinlandsprodukt der Türkei auch im Jahr 2016 weiter steigen wird. Dieses soll bis dahin erneut um 3,7 Prozent nach oben klettern.

Die Türkei profitiert zurzeit von einem stabilen Arbeitsmarkt und den gesunkenen Ölpreisen der vergangenen Monate. Im Jahr 2015 werden sich die europäischen Staaten wohl weniger gut durchsetzten können. Spaniens Wirtschaft soll um 2,8 Prozent wachsen, Großbritanniens um 2,6 Prozent, Frankreichs um 1,1 Prozent und Deutschlands um 1,9 Prozent. Sorgen wird der EU in Zukunft Italien machen, wo man nur von einem Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent ausgeht, so das türkische Nachrichtenportal Worldbulletin.

Türkei ist auf Hilfe nicht angewiesen

Albert Arnold Al Gore, Aufsichtsratsmitglied von Apple und hochrangiger Berater von Google, stellte bereits heraus, dass die Bedeutung der Türkei innerhalb der Weltwirtschaft kontinuierlich zunehme.

Für Gore ist derzeit klar: Die Türkei wird zu den Nationen gehören, die die Zukunft mitbestimmen werden. Hinsichtlich der makroökonomischen Politik könne Europa seiner Ansicht nach in der Tat noch von der Türkei lernen. Welche Bedeutung das Land bereits in der Region hätte, das habe er im Rahmen zahlreicher Gespräche mit Bekannten auf dem Balkan, in Zentralasien und Griechenland erfahren. Allesamt hätten sie die regionale Macht der Türkei herausgestellt und waren sich einig: Die Türkei kann es zum Weltmarktführer schaffen. Und auch er selbst verfolge seit Jahren genau, was in der Türkei – vor allem hinsichtlich der technologischen Entwicklung – passiere (im WEF-Ranking macht die Türkei 16 Plätze gut – mehr hier).

Während die Eurozone von einer Krise in die nächste zu schlittern scheint, galoppiert das türkische pro Kopf Bruttoinlandsprodukt nach oben. In Regionen wie Ankara oder Istanbul ist man bereits auf Augenhöhe mit Griechenland, Teilen Spaniens und Großbritanniens sowie den ehemaligen kommunistischen EU-Ländern. Ganz anders sieht es jedoch in den ländlichen Regionen des Landes aus. Hier leben gut zehn Prozent der Bevölkerung von weniger als umgerechnet fünf Dollar pro Tag.

Lira weiter schwach

Als Hemmnis könnte sich weiterhin der schwache türkische Lira darstellen. Dieser ist auch nach größeren Anstrengungen immer noch auf Talfahrt. Verantwortlich für den schwachen Stand der türkischen Währung ist wohl vor allem die türkische Zentralbank. Diese habe es in der Vergangenheit verpasst, die Währung mit ausreichend Maßnahmen zu stützten, so die Hurriyet. Weiterhin hätten sich auch politische Spannungen negativ auf den Kurs ausgewirkt. Ähnliches war  schon in der Vergangenheit passiert (mehr hier).

Der Lira fiel erneut um 0,6 Prozent zum amerikanischen Dollar. Im Gegensatz dazu war die Stimmung an den Börsen anderer aufstrebender Märkte positiv. Die chinesische Börse verzeichnet momentan ein 15-Jahres-Hoch. Was an den Maßnahmen liegt mit denen die chinesische Zentralbank den eigenen Markt mit ausreichend neuem Geld versorgt. Wie sich diese Eingriffe zukünftig auswirken werden bleibt ungewiss. „Es ist schwer abzusehen wie aggressiv diese sein werden, aber es ist klar, dass sie begonnen haben und das ist hilfreich auch für den Rest Asiens“, so Lars Christensen von der Danske Bank in der Hurriyet.

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