US-Neokonservative und EU wollen Erdoğan stürzen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat viele Gegner. Zu ihnen gehören auch die US-Neokonservativen und die Europäer. Der mittlerweile verstorbene türkische Journalist Mahir Kaynak erkannte dahinter eine Strategie. Erdoğan soll gestürzt werden, um die Türkei gefügig zu machen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan: Verhasst bei seinen Gegnern, beliebt bei seinen Anhängern. (Screenshot via Facebook)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan: Verhasst bei seinen Gegnern, beliebt bei seinen Anhängern. (Screenshot via Facebook)

US-Neokonservative haben ein großes Interesse am Umsturz von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Diese Ansicht äußerte der mittlerweile verstorbene türkische Journalist Mahir Kaynak.

Zudem seien auch sowohl die globale Finanz-Elite als auch die Europäer gegen Erdoğan. Ausschlaggebend für jene Haltung sei Erdoğans Außenpolitik, sagte Kaynak in einem Oktober-Interview mit der Zeitung Stargazete. Der türkische Premier wolle der Türkei zu mehr Gewicht verhelfen. In der Region soll das Land eine wichtige Rolle spielen und Einfluss auf die globale Energiepolitik ausüben. Das gefalle den benannten Gruppen nicht. Insbesondere die Europäer seien interessiert an einer „kontrollierten“ Türkei. Erdoğan wehre sich gegen die Eingriffe.

Doch die Türkei könne nur zu neuer Stärke gelangen, wenn das Kurdenproblem gelöst werde. Erdoğan versuche sich deshalb verstärkt für jene Lösung einzusetzen. Auch der inhaftierte PKK-Führer Abdullah Öcalan unterstütze eine Lösung des Kurdenproblems. Das sei der Dreh- und Angelpunkt für eine Neupositionierung der Türkei.

Tatsächlich hat Öcalan im Zuge der Korruptions-Affäre Partei für Erdoğan ergriffen. Er sagt, dass die Affäre gezielt auf den Umsturz von Erdoğan ausgerichtet sei, zitiert Timeturk Öcalan. Die Gülen-Bewegung kooperiere mit den Erdoğan-Gegnern im Ausland, so Öcalan.

Auch der BDP-Vorsitzende Selahattin Demirtaş erkennt in Erdoğan und Öcalan die wichtigsten Unterstützer der Lösung des Kurdenproblems. „Wenn Erdoğan geht, dann ist es vorüber mit den Friedensverhandlungen“, zitiert das Nachrichtenportal T24 den kurdischen Politiker.

Kaynak sagt auch, dass US-Präsident Obama und Erdoğan realpolitisch dieselben Ansichten vertreten. Sie seien Kooperations-Partner. Obama sei nicht interessiert an Erdoğans Abgang. Auch Putin stehe in enger Kooperation mit Obama und Erdoğan. Alle seien Gegner einer starken EU. Sie wollen den Europäern kein Mitspracherecht bei der Energiepolitik des Nahen Ostens zugestehen.

In einem Oktober-Artikel schrieb Mahir Kaynak, dass die US-Neokonservativen und die Finanz-Eliten auch die Gegner Obamas seien.

Premier Erdoğan müsse sich seitens seiner Gegner auf weitere Attacken einrichten. In einem Interview mit der Zeitung Yeni Asır sagte Kaynak, dass die Europäer jede Gelegenheit nutzen werden, um Erdoğan in Misskredit zu bringen. Sie wollen ihn schlichtweg weg haben. Anschließend soll die Türkei gefügig gemacht werden, so Kaynak. Zumindest der Chef der Sozialisten im EU-Parlament, Hannes Swoboda, hatte im Dezember offen Farbe bekannt. Er forderte den sofortigen Rücktritt Erdoğans.

Doch ob es eine Kooperation zwischen allen Erdoğan-Gegnern gibt, ist unklar. Denn auch die haben untereinander Meinungsverschiedenheiten. Zudem sind die US-Neokonservativen entschiedene Gegner eines vereinigten Europas.

Mahir Kaynak, geboren 1934 in Gaziantep, war Professor der Ökonomie und Journalist bei der Zeitung Stargazete. Er hat zwischen 1965 und 1980 für den türkischen Nachrichtendienst (MIT) gearbeitet. Im Jahr 1971 war er maßgeblich an der Aufdeckung eines geplanten Militärputsches beteiligt. Die beteiligten Offiziere wurden inhaftiert. Kaynak ist im Februar 2015 verstorben.

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