Erster in Europa: Türkei eröffnet Flughafen auf künstlicher Insel

Die Mega-Projekte „The World“ oder „The Palm“ haben international für Schlagzeilen gesorgt. In der Türkei steht jetzt ein ähnliches Vorhaben kurz vor der Fertigstellung. Die künstlich geschaffene Insel dient allerdings nicht als Luxus-Ressort für wohlhabende Investoren. Hier sollen künftig Flugzeuge starten und landen. Er ist der erste auf dem Wasser gebaute Flughafen Europas.

Der Multi-Millionen-Dollar Flughafen Ordu-Giresun (Ordu-Giresun Havalimanı) befindet sich vor der türkischen Schwarzmeerküste. Läuft alles nach Plan, wird er bereits Ende Mai dieses Jahres eröffnet. Die Anlage ist der mittlerweile 52. türkische Flughafen. Das Besondere: Es ist der erste seiner Art außerhalb von Fernost.

Der Ordu-Giresun Flughafen wurde auf See vor der Küste von Gülyalı in der nördlichen Provinz Ordu gebaut. Gouverneur Irfan Balkanlioglu bestätigte in dieser Woche, dass der Flughafen am 22. Mai von Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu eröffnet werde, so das türkische Nachrichtenportal Worldbulletin. Bereits ab dem 26. Mai sollen Passagiere entsprechende Tickets erwerben können.

Der für den Flughafen betriebene Aufwand ist immens. Rund 35 Millionen Tonnen Gestein wurden verwendet, um die gut 1,8 Millionen Quadratmeter große Fläche im Meer aufzufüllen. Um Beschädigungen des Flughafens durch schweren Seegang zu vermeiden, sei State-of-the-art-Technologie verwendet worden, so Balkanlioglu. Um eine komfortable Abreise- und Landung auf der 3000 Meter langen und 45 Meter breiten Piste zu bieten, sei überdies ein besonderes Material namens Splittmastixasphalt verwendet worden. Dieser besteht aus einem Gesteinsgemisch mit einem hohen Anteil an Edelsplitt, Polymerbitumen und stabilisierenden Zusätzen für das Bitumen. Sein Einsatz verspricht eine lange Lebensdauer und eine große Verformungsbeständigkeit der von ihm befahrenen Oberfläche. Das gesamte Flughafengebiet wird über sieben Kilometer lang und fast einen Kilometer breit sein.

Der Bau der künstlichen Insel, die etwa 360 Millionen Türkische Lira, umgerechnet 132.600.000 Dollar, gekostet hat, begann im Juli 2011. Dem Gouverneur zufolge mache der auf die See ausgelagerte Flughafen durchaus Sinn. Ein Bau auf dem Festland hätte demnach höhere Kosten verursacht. Details für seine These nennt das Blatt allerdings nicht.

Ähnliche Pläne gibt es übrigens auch in China. Wie im September 2014 bekannt wurde, plant die Hafenstadt Dalian einen neuen Flughafen, der auf einer künstlichen Insel vor der Küste entstehen soll. So wolle die Stadt den wachsenden Flugverkehr in den Griff bekommen, berichtete das Handelsblatt. Das Projekt solle umgerechnet 3,3 Milliarden Euro kosten und auch Platz für Großflugzeuge wie den A380 bieten.

Der wohl bekannteste ins Meer raagende Flughafen ist wohl der 1998 geschlossene Kai Tak Airport in Hong Kong. Bis dahin zählte er zu den meist frequentierten Flughäfen der Welt. In Betrieb ist hingegen der Kansai Airport. Er liegt vor der japanischen Küste auf einer künstlichen Insel. Mehr als 5.000 Stahlsäulen, ein Wall aus Stein und Beton und eine 30 Meter tiefe Betonschutzmauer bildeten das Fundament des fünf Quadratkilometer großen Eilandes, so das Wissensmagazin Scinexx. Eingeweiht wurde er 1994. Die Kosten beliefen sich auf umgerechnet zwölf Milliarden Euro.

Als erste Fluggesellschaft soll Turkish Airlines (THY) den Ordu-Giresun Havalimanı regelmäßig von Istanbul-Atatürk und Ankara aus anfliegen.

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