Erschreckende Bilanz 2015: Schon jetzt mehr als 100 Frauen in der Türkei ermordet

Das Jahr 2015 ist erst wenige Monate alt. Doch schon jetzt wurden in der Türkei mehr als 100 Frauen von Männern getötet. Allein in den vergangenen Tagen kamen drei neue Opfer hinzu. Bei den Tätern handelte es sich zumeist um Verwandte.

Einige der Opfer wurden von ihren Ex-Ehemännern brutal niedergestochen. (Foto: Flickr/ Bloody Knife by Steven Depolo CC BY 2.0)

Einige der Opfer wurden von ihren Ex-Ehemännern brutal niedergestochen. (Foto: Flickr/ Bloody Knife by Steven Depolo CC BY 2.0)

Der Fall der getöteten Studentin Özgecan Aslan rüttelte die türkische Nation auf. Im Februar war die 20-Jährige von einem Busfahrer brutal ermordet worden, als sie sich gegen einen Vergewaltigungsversuch zur Wehr setzte. Die Tat hatte landesweit zu heftigen Protesten geführt. Dabei ist sie nur die Spitze des Eisberges. Allein 2015 kamen bereits über 100 Frauen durch die Hand von Männern ums Leben, so die Bilanz türkischer Medien.

Der jüngste Fall in einer langen Reihe von Verbrechen trug sich erst am 6. Mai dieses Jahres in der Provinz  Yalova zu. Die 34-jährige Seda C. wurde von ihrem Ex-Mann umgebracht. Die zweifache Mutter wurde von ihm am hellichten Tag auf einer belebten Straße mit einem Messer angegriffen. Die Lehrerin an einer Privathochschule verstarb noch am Tatort. Den Täter Bülent D. konnte die Polizei noch vor Ort festnehmen und einem Richter vorführen.

Nur drei Tage zuvor, am 3. Mai, wurde eine Frau in der  westlichen Provinz Edirne von ihrem 32-jährigen Ehemann getötet. Ersel G. überfiel seine schlafende Frau im eigenen Haus im Dorf Pınarköy. Zuerst erschoss er sie, dann richtete er die Waffe auf dem Dorfplatz gegen sich selbst und schoss sich in den Kopf. Er verstarb nur wenig später in einem Krankenhaus, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Zuvor soll er auch versucht haben, den gemeinsamen achtjährigen Sohn umzubringen. Doch glücklicherweise verfehlte die Kugel ihr Ziel. Der Täter war zuvor über Monate in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Seine Medikamente soll er nach der Entlassung aber nicht ordnungsgemäß eingenommen haben, so die Nachbarn.

Unterdessen wurde am 6. Mai eine Frau in der südlichen Provinz Adana schwer von ihrem Ex-Ehemann verletzt. Die erst 19-jährige Selda B. lebte nach der Scheidung mit ihrem dreijährigen Sohn im Haus ihrer Tante. Der 31-jährige İsmail A. griff die junge Frau nun mit einem Messer an. Sie überlebte die Attacke und liegt nun auf der Intensivstation. Nach wie vor soll ihr Zustand kritisch sein. Der Täter sei zudem auf die Tante der jungen Frau losgegangen, die ihn von seiner ehemaligen Gattin abhalten wollte. İsmail A. konnte mit dem Dreijähigen entkommen. Die Polizei ermittelt.

Für Aufsehen sorgte zuletzt auch der Fall der bekannten türkischen Singer und Songwriterin Değer Deniz. Die junge Künstlerin wurde am Abend des 5. Mai in ihrer Wohnung im Istanbuler Taksim-Viertel brutal ermordet. Zuvor hatte die Familie den ganzen Tag über vergeblich versucht, sie zu erreichen.

Der Leichnam von Değer Deniz wurde ausgerechnet von ihrem jüngeren Bruder entdeckt. Dieser hatte zuvor einen Schlosser bestellt, um in die Wohnung der Musikerin zu gelangen. Die Familie war bereits den ganzen Tag über in großer Sorge gewesen. Niemand konnte sie erreichen.

Deniz’ Bruder haben nach dem grausigen Fund sofort die Polizei verständigt, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Demnach soll die junge Frau mit dem Riemen ihrer Tasche erwürgt worden sein. Ihre Hände seien mit dem Kabel eines Handy-Ladegeräts gefesselt gewesen. Die 39-Jährige veröffentlichte 2012 ihr letztes Album. Sie komponierte Songs für TV-Dramen und trat zuletzt an verschiedenen Orten in Istanbul auf. Ihre Liebe galt gleich mehreren Genres, darunter Alternative Progressive Rock und Trip Hop. Nach einer Autopsie wurde sie am 6. Mai bestattet.

Ersten Ergebnissenn der polizeilichen Ermittlungen zufolge hat die Sängerin ihren Täter wohl ebenfalls gekannt. Die Beamten konnten keine Einbruchsspuren feststellen. Gestohlen worden sein soll ebenfalls nichts. Alles deute darauf hin, dass sie dem Täter selbst die Türe geöffnet habe. Die Ermittlungen dauerten jedoch an, so das Blatt weiter. Derzeit würden der Computer und das Handy der Toten ausgewertet.

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