Unterstützung von Obama: Türkei wird neue Macht des 21. Jahrhunderts

Die Türkei werde in den kommenden Jahren zu einer Macht in der Region aufsteigen. Alle Grundlagen seien dafür gelegt worden. Doch diese Ambitionen kann das Land nur meistern, wenn sie sich eng an die USA hält. Diese Ansicht wird offenbar von der Obama-Regierung geteilt.

Offenbar unterstützt US-Präsident Obama die aktuelle Erdoğan-Regierung.

Der US-Wissenschaftler Soner Çağaptay hat zur Situation  der Türkei ein Buch unter dem Titel „Der Aufstieg der Türkei: Die erste islamische Macht des 21. Jahrhunderts“ verfasst. Nach eigenen Angaben habe er von der US-Regierung Unterstützung für seine Vorausschau erhalten.

Çağaptay schreibt in seinem Buch, dass die Türkei und Argentinien in der Vergangenheit Ähnlichkeiten aufwiesen. So befinde sich Argentinien in Lateinamerika. Doch die Argentinier sahen sich kulturell immer als einen europäischen Ableger auf dem lateinamerikanischen Kontinent. Die Türkei sah sich in der Vergangenheit ebenfalls als europäischer Ableger im Nahen Osten. Nun habe ein Sinneswandel am Bosporus stattgefunden. Das Land identifiziere sich immer mehr mit seinem direkten Umfeld.

Doch die engen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen Ankaras zum Westen seien nach wie vor wichtig. Die Türkei möchte kein Teil der EU mehr werden. Das sei vorbei. Doch den EU-Beitrittsprozess betrachte die Türkei pragmatisch, um als Spieler in Europa aufzutreten und die wirtschaftlichen Beziehungen aufrecht zu erhalten.

Das türkische Selbstbewusstsein sei im vergangenen Jahrzehnt entstanden und werde auch in Zukunft nicht abklingen. Dabei seien die vorübergehenden Wirtschaftskrisen im Land nicht maßgeblich. Denn das Land sei zu einer „Mittelstands-Gesellschaft“ herangewachsen.

Doch der Syrien-Konflikt habe die Türkei auf eine harte Probe gestellt. Es sei deutlich geworden, dass die Türkei zum aktuellen Zeitpunkt keine „Hard-Power“, sondern eine „Soft-Power“ ist. Das Militär sei nicht ausgerichtet auf Expeditionen im Ausland. Die Erdoğan-Regierung musste deshalb diplomatische Kanäle nutzen, um Einfluss auf Syrien zu üben. Das gelang nur bedingt. Auch die Unterstützung für die Opposition im Exil und in Syrien haben nicht gefruchtet.

Ohne die USA geht es nicht

Dabei wollte die Türkei ihre Nahost-Politik von den USA lösen und komplett selbstständig agieren. Hierin war sie zunächst auch erfolgreich. Doch diese Politik fand im Zuge des Arabischen Frühlings ihr Ende. Ankara musste beobachten, wie der Iran sowohl in Syrien als auch im Irak als Gegner der Türkei auftrat. Das veranlasste die Erdoğan-Regierung dazu, die Beziehungen mit den USA erneut zu festigen.

Dieser Umstand sei zum Vorteil der Türkei. Denn die USA sei ein wichtiger Spieler in der Region. Die Türkei könne ihre politische Stabilität nur garantieren, wenn sie mit den USA zusammenarbeitet. Von dieser Zusammenarbeit können beide Staaten im Nahen Osten, dem Balkan und im Kaukasus profitieren.

Offenbar ist Çağaptay ein Unterstützer enger türkisch-amerikanischer Beziehungen. Jedenfalls schreibt er am Ende seines Buchs, dass beide Länder aufeinander angewiesen seien. Die Türkei benötige die USA, um ihren Aktionsradius zu erweitern und andersherum.

Aufgrund dieses Abhängigkeitsverhältnisses werden beide Länder in den kommenden fünf bis zehn Jahren noch enger zusammenrücken, so Çağaptay.

Der Iran als Gegenspieler

In diesem Zusammenhang ist die Unterstützung der USA für den regionalen Friedensprozess zwischen Kurden und Türken nachvollziehbar. Denn die USA kann nur mit der Türkei agieren, wenn das Land weitgehend stabilisiert ist. Washington ist sich offenbar darüber im Klaren, dass der Anti-Amerikanismus in der Region weit verbreitet ist. Ein stabiler regionaler Partner, der auch US-Interessen berücksichtigt erscheint somit vorteilhaft.

Doch die USA könnten die Türkei auch dazu verleiten, den Einfluss des Irans offensiver zurückzudrängen. Eine türkisch-kurdische Allianz gegen den Iran ist auch denkbar. Damit würde sich die Türkei auf ein gefährliches Spiel einlassen. Denn es besteht die Gefahr, dass eine derartige Zurückdrängungs-Politik auch militärische Züge annimmt.

Auf langfristige Sicht wäre das nachteilhaft für die Türkei. Diese Erfahrung hat Ankara schon im Syrien-Konflikt gemacht. Doch der Iran ist militärisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich weitaus resistenter als Syrien. Diese Erfahrung durfte auch Saddam Hussein im Ersten Golfkrieg von 1980 bis 1988 machen (mehr hier).

Dr. Soner Çağaptay ist Direktor des Türkei-Programms am Washington Institute for Near East Policy, Washington DC. Er ist Absolvent der Yale-University, spricht neun Sprachen und ist an der Georgetown University’s School of Foreign Service an der Ausbildung von angehenden US-Diplomaten beteiligt.

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