Tauben und Falken: Die PKK zerfällt in zwei Lager und bedroht die Einheit der Türkei

Die Kurden in der Türkei und im Nordirak sind sich uneinig. Das gefährtet ihren Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat". Ein Umstand, der auf lange Sicht auch für die Türkei gefährlich ist. Der Westen setzt derweil auf die kurdischen Peschmerga-Kämpfer. Doch damit könnte gleichzeitig auch die Terrororganisation PKK mit schweren Waffen aufgerüstet werden.

In der Sicherheitsstrategie der Nato-Staaten spielen die kurdischen Peschmerga-Kämpfer eine herausragende Rolle. Sie bieten dem Verteidigungsbündnis die Möglichkeit der IS etwas entgegenzusetzten, ohne mit eigenen Verbänden in den Konflikt eingreifen zu müssen. Die Bewaffnung der kurdischen Kämpfer führte zu großen Meinungsverschiedenheiten zwischen der Türkei und einigen europäischen Staaten. Ankara fürchtet zurecht, dass die Bewaffnung kurdischer Peschmerga den Jahrzehnte langen Abspaltungsprozess der Kurden vorantreiben könnte. Doch auch die Kurden sind untereinander zerstritten was ihr Zukunft anbelangt.

Die Türkei könnte Gebiet an die Kurden verlieren

Durch die in der Türkei operierende PKK und ihre nordirakischen Verbündeten verläuft ein Riss. Er ist sinnbildlich für die innere Zerstrittenheit der Kurden. Diese wird nicht zuletzt auch durch die Türkei vorangetrieben, die zunehmende Nähe zu den nordirakischen Kurden sucht. Deshalb war die ehemalige Erdoğan-Regierung darauf Bedacht, gute Beziehungen zur Autonomen Region Kurdistans (KRG) aufzubauen. Die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen der Türkei und dem Nordirak sollten möglichst eng sein. Damit will die Regierung auch in Zukunft verhindern, dass die Kurden Alleingänge starten. Der National Intelligence Council (NIC) warnt in seinem Bericht Global Trends 2030 vor einem erstarkenden Kurdenstaat im Irak.

Der wird grundsätzlich nicht abgelehnt. Doch ein zu starker Kurdenstaat könnte territoriale Ansprüche auf die Türkei erheben. Auf dem türkischen Gebiet ist jedoch die PKK beheimatet. Von einem neuen Staat würden die Türken und die irakischen Kurden grundsätzlich profitieren. Der Friedensplan zwischen den beiden Partnern entwickelt sich positiv. Dadurch wächst auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit (mehr hier). Auch von einem Aufbegehren der Kurden gegenüber Bagdad zieht die Türkei ihre Vorteile. Im fortschreitenden Öl-Handel zwischen der KRG und der Türkei fühlt sich Bagdad ausgeschlossen und behauptet, dieser Handel sei illegal (mehr hier). Die irakische Regierung verliert allmählich die Kontrolle über das Öl im Norden des Landes. Gegen diesen Handel zog die irakische Regierung vor ein internationales Gericht und drohte den Abnehmern des Öls mit Konsequenzen (mehr hier).

Doch auch Waffenlieferungen könnten die Türkei in ihrer Position gefährden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die in die Region gelieferten Waffen in die Hände der PKK geraten. PKK-Kämpfer kämpfen ohnehin mit den nordirakischen Peschmerga zusammen, um diese gegen die IS zu unterstützen, so VICE. Die gut ausgebildeten PKK-Guerillas würden in vielen der zahlreichen Gefechte den Unterschied zur IS ausmachen, sie seien besser ausgerüstet und hätten die bessere Moral. Nun sollen unteranderem von deutscher Seite neben Schutzwesten und Helmen auch G3-Sturmgewehre und MILAN-Panzerabwehrraketen geliefert werden, die dann auch der PKK zu Verfügung stehen könnten.

Auch die PKK ist zerstritten

Wie zerstritten die Kurden untereinander sind, zeigt die jüngste Auseinandersetzung der PKK-Köpfe Murat Karayilan und Cemil Bayik über die kurdischen Peschmerga-Kämpfer. Die Auseinandersetzung lässt an der Stärke der nordirakischen Kämpfer zweifeln. Der Vorfall zeigt, wie sehr die Flügelkämpfe die Kurden spalten. Bayik behauptete, dass die Peschmerga eine unterlegene Truppe wären, die ihre moralische Kraft verloren habe, wenn sie gegen die IS kämpfen, so Basnews. Die Peschmerga seien mehr mit Geld und ihren stattlichen Häusern beschäftigt, als sich bei der Verteidigung Kurdistans zu engagieren. Für diese Äußerung erntete der PKK-Angehörige heftige Kritik. Nicht zuletzt die Peschmerga bezichtigten Bayik nicht seiner eigentlichen Aufgaben nachzugehen und mehr mit dem Verkauf von Drogen und der Verunglimpfung von Kämpfern beschäftigt zu sein. Das Mitglied des PKK-Exekutivkomitees Karayilan sah sich letztendlich gezwungen in den Streit einzugreifen und forderte eine Entschuldigung Bayiks. Die Peschmerga werden aber auch in Zukunft auf die Unterstützung der PKK angewiesen sein.

Was zunächst wie ein einfacher Schlagabtausch aussieht, enthüllt auch größere Konfliktlinien bei der PKK. Wie eine interne Quelle gegenüber Basnews bestätigt, spaltet sich Bayiks radikales Lager immer mehr von der moderateren PKK-Führungsetage ab. Das wirkt sich auch auf die Schlagkraft der Truppen im Irak aus. Trotz der engen Bindung der PKK an die Peschmerga, leiden diese wohl zunehmend an der politischen Zerrissenheit der Führung und an dem Verlust vieler Veteranen. Viele Ältere, die in den letzten Jahrzehnten kämpften haben, die Truppe verlassen, um einfacher ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das wirkt sich auch auf die Qualität der Ausbildung aus, so Businessinsider.

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