Waffengeschäft: Türkei steigert seine Exporte um 20 Prozent

Nach Angaben der türkischen Dachorganisation für Waffenexporte sind die Rüstungsexporte des Landes in den ersten elf Monaten des Jahres 2014 um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum angestiegen. Das Volumen hat sich von 1,225 Milliarden US-Dollar auf 1,472 Milliarden US-Dollar erhöht. Geht es nach der türkischen Regierung, soll die Rüstungsindustrie künftig eine Schlüsselrolle beim hiesigen Wirtschaftswachstum übernehmen.

Wie die aktuellen Novemberzahlen zeigen, scheint das offizielle Ziel eines Exportvolumens von 1,5 Milliarden US-Dollar für das Gesamtjahr 2014 durchaus realistisch. Die Entwicklung verläuft offenbar genau nach Plan. Zum Vergleich: Die türkischen Rüstungsexporte betrugen im gesamten Jahr 2013 1,39 Milliarden US-Dollar.

Die USA waren in den vergangenen elf Monaten der größte Importeur von türkischer VerteidigungsHardware mit einem Gesamtvolumen von 508 Millionen US-Dollar. Die Türkei ist mittlerweile der viertgrößte Exporteur von leichten Waffen in die USA (mehr hier). Weitere wichtige Märkte waren Malaysia mit 109 Millionen US-Dollar und die Vereinigten Arabischen Emirate mit 87 Millionen US-Dollar. Das berichtet das Branchenportal Defense News.

Die Exportschlager der türkischen Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie seien demnach Flugzeuge, Hubschrauber-Teile, -Motoren, gepanzerte Landfahrzeuge, Schnellboote, Flugkörper, Raketen, Abschussrampen, leichte Waffen und elektronische Systeme, einschließlich Sender, Simulatoren, Sensoren und Militär-Software.

Noch macht die türkische Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie etwas mehr als ein Prozent der Gesamtexporte der Türkei aus, die sich bis November 2014 auf insgesamt 144 Milliarden US-Dollar beliefen. Doch bis zum Jubiläumsjahr 2023 soll sich dieser Umstand radikal ändern. Bis dahin soll das Volumen dieses Sektors auf 25 Milliarden US-Dollar anwachsen, so das Blatt. Bis dahin solle die Türkei auch über drei einschlägige Verteidigungs-Marken verfügen.

Das Ziel bis 2023 unter den führenden zehn Wirtschaftsnationen zu sein, sei aus heutiger Sicht unerreichbar. Das gab der türkische Untersekretär für die Verteidigungsindustrie, Ismail Demir, bereits im Septemberbekannt. Um weiterhin für wirtschaftliches Wachstum zu sorgen, sieht er Chancen in der türkischen Rüstungsindustrie (mehr hier).

Ein Großprojekt der Branche ist derzeit die Entwicklung eines neuen Infanteriegewehrs. Eine Testversion sei bereits an verschiedene Truppenteile ausgegeben worden. Man warte nun auf Rückmeldung, um in die Serienproduktion einsteigen zu können, so Demir in der Sabah. Neben Handfeuerwaffen hat die Türkei auch mit der Planung und Forschung eigener Kampfflugzeuge begonnen (mehr hier). Als Prestigeprojekt gilt der Kampfpanzer “Altay”, der zu den modernsten und teuersten Kampffahrzeugen seiner Art gehören wird. Das Rüstungsbudget könnte sich bis 2018 verdoppeln, berichtet die Hurriyet. Aber auch die türkischen Streitkräfte kaufen munter ein. Die Türkei sondiert gerade Angebote für ein eigenes Raketenabwehrsystem, so das Blatt.

Türkische Rüstungsunternehmen konnten im Jahr 2013 Rüstungsgüter mit einem Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar im Ausland absetzten. Diese Entwicklung ist beträchtlich. Noch im Jahr 2008 konnten dieselben Unternehmen Waren in einem Wert von nur 600 Millionen Dollar im Ausland verkaufen. „Der Export des Sektors steigert sich jedes Jahr. Momentan wird ein Drittel der Produktion ins Ausland expotiert“, sagte Latif Aral Aliş, Vorsitzende des Interessenverbandesdes für Verteidigungsexporteure  (SSI).
Was den Export von Waffen angehe, wolle man sich an die Auflagen der Vereinten Nationen halten, so Aliş.

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