Streit unter Kindern: Brandanschlag auf syrische Flüchtlinge in Istanbul

Im europäischen Teil Istanbuls haben Einheimische ein Haus und mehrere Läden von syrischen Flüchtlingen angezündet. Dem Brandanschlag im Viertel Güvercintepe sei ein Streit zwischen türkischen und syrischen Kindern vorausgegangen, bei dem ein türkisches Kind verletzt worden sei. Die Situation im Viertel ist angespannt.

Niemand sei infolge der Brände verletzt worden, heißt es. Die Anwohner hätten die anrückende Feuerwehr zunächst jedoch davon abgehalten, das Feuer zu löschen.

Der Ortsvorsteher Ibrahim Dinc sagte der türkischen Zeitung «Hürriyet», die Situation im Viertel sei angespannt. Von den hier lebenden 50.000 Einwohnern seien 10.000 Syrer. Die Mieten seien in den vergangenen drei Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen und die Arbeitslosigkeit sei hoch.

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR hat die Türkei rund 1,8 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen. Die meisten Hilfesuchenden leben außerhalb der 25 Lager.

Neu sind die Probleme allerdings nicht. Schon 2012 gab es Überlegungen, syrische Flüchtlinge aus Sicherheitsgründen umzusiedeln. Schon damals stießen viele Grenzregionen an ihren Belastungsgrenzen. Sektiererische Spannungen und militante Aktivitäten waren nicht mehr kontrollierbar, Unruhen auch in den Camps nahmen zu, die Menschen litten unter dem Leben am absoluten Minimum (mehr hier).

Im Mai vergangenen Jahres kam es in der türkischen Hauptstadt Ankara ebenfalls einem fremdenfeindlichen Angriff. Im Stadtteil Altındağ zündeten Einheimische am Mittwochabend ein Gebäude an, in dem syrische Flüchtlinge untergebracht waren. Zuvor soll ein türkischer Passant vor dem Haus geschlagen worden sein. Das Feuer in der Flüchtlingsunterkunft forderte zahlreiche Verletzte. Dazu kam erheblicher Sachschaden. (mehr hier).

Die Türkei pflegt seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien eine Politik der offenen Tür. Die Folge: Die Flüchtlingslager sind zum Bersten gefüllt. Zunehmend versuchen die Menschen außerhalb der Camps unterzukommen (mehr hier). Dort versuchen sie günstigen Wohnraum zu ergattern oder lassen sich in leerstehenden Gebäuden nieder. Vielerorts nehmen sie die Dinge selbst in die Hand, um ihre Situation zu verbessern (mehr hier). Andererseits verlassen sie aus Angst vor Übergriffen die Städte (mehr hier).

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