Konkurrenz für Frankfurt: Istanbul wird zu wichtigem Internetknoten

Istanbul könnte der Finanzmetropole Frankfurt in absehbarer Zeit den Rang als Europas wichtigster Internetknoten ablaufen. Zusammen mit weiteren Standorten in Italien und Frankreich sollen über die Türkei auch der Kaukasus, der Iran und der gesamte Mittlere Osten an den Knotenpunkt in Frankfurt angeschlossen werden. Immer mehr junge Türken machen den Markt für Unternehmen zunehmend interessant.

Für das World Wide Web und Europa wird die Türkei unverzichtbar. (Bild: Flickr/Erfolgreich im Internet by Florian Simeth (CC BY 2.0))

Für das World Wide Web und Europa wird die Türkei unverzichtbar. (Bild: Flickr/Erfolgreich im Internet by Florian Simeth (CC BY 2.0))

Die weiteren Verteilerstellen orientieren sich an Ländern, mit denen die Deutschen traditionell eng verbunden sind. So sind Italien, Frankreich und die Türkei historisch und in Urlaubsfragen wichtige Partner Deutschlands. Die drei Länder zählen zu den liebsten Reisezielen der Deutschen. Istanbul soll dabei nicht nur ein Rechenzentrum bleiben, sondern zu einer großen Zweigstelle ausgebaut werden.

Istanbul wird Tor zum Internet

Über den neuen Kontenpunkt des Betreibers De-Cix werden in Zukunft alle 470 Internetprovider im Nahen- und Mittleren Osten sowie im Kaukasus angeschlossen werden. In Zukunft werden alle Daten dieser Internetanbieter in Istanbul zusammengeführt und verarbeitet, so Chip.de. Schon zwischen Juli und September sollen die Knotenpunkte in Istanbul, Palermo und Marseille ans Netz gehen.

In der Türkei nutzen zurzeit nur 46 Prozent der Bevölkerung das Internet, diese konzentrieren sich besonders auf die urbanen Zentren. Die Tendenz ist jedoch stark steigend und macht die Türkei als Markt attraktiv. Das Beispiel Frankfurt zeige, dass Zentren der Logistik, Finanzen und des Transports eine schnelle nachholende Internet-Infrastruktur aufweisen.

Microsoft orientiert sich in Richtung Türkei

Microsoft hat in der Türkei schon vor Jahren eine Produktionsstätte für Tablet-PCs und ein Technologiezentrum aufgebaut. In einer Unterredung zwischen dem damaligen türkischen Minister für Wissenschaft, Industrie und Technologie, Nihat Ergün, und dem Geschäftsführer von Microsoft, Steve Ballmer, wurde die Einbindung des US-Technologieunternehmens Microsoft in das acht Millionen Dollar schwere „Fatih Projekt“ unverbindlich beschlossen (mehr hier).

Im Rahmen des Schulprojekts sollen alle türkischen Schüler ab der fünften Klasse innerhalb von vier Jahren mit Tablet-PCs versorgt werden. Zusätzlich sollen große Bildschirmtafeln für jeden Klassenraum angebracht werden. Steve Ballmer sagte, dass er ein Team in die Türkei schicken werde, um die Rahmenbedingungen für die Einrichtung eines Technologiezentrums überprüfen zu lassen. Ferner wolle Microsoft die Kooperation mit türkischen Universitäten intensivieren. Beispielhaft sei hier die Kooperation zwischen Microsoft und der  Koç Universität. Der Türkei schwebt ein Forschungszentrum wie in Israel und Indien vor.

Diesen Trend haben auch türkische Unternehmen voraus gesehen: Sie investierten schon vor Jahren in schnellere Internetverbindungen in der Türkei. Die Türkei ist weltweit einer der stärksten Märkte für digitale Technologien. Mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren haben die Türken mittlerweile mehr als 30 Millionen Facebook- und sechs Millionen Twitter-Accounts in Betrieb (mehr hier). Trotz immer wieder neu aufkommenden Hürden boomen die türkischen Unternehmensgründungen in der Internetwirtschaft. So kaufte sich beispielsweise Amazon erst Ende 2011 beim Online-Blumenversand CicekSepeti ein (mehr hier).

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