Mehr als zwei Millionen Views: „Turkey: Flowers of Gezi Park“ wird zum YouTube-Hit

Im Rahmen seiner Reihe „Rebel Music“ hat sich MTV World mit der Türkei auseinandergesetzt. Die 30-minütige Dokumentation ist seit Ende April auf YouTube zu sehen und zog bereits mehr als zwei Millionen Zuschauer an. Der Film zeigt eine türkische Jugend, die in der Lage ist, tiefschürfende Veränderungen zu bewirken.

In der Reihe „Rebel Music“ geht es um die Geschichten von jungen Menschen auf der ganzen Welt. Sie alle eint jedoch eines: Sie erheben sich gegen soziale und politische Barrieren, um das Leben in ihrer Heimat zu verbessern. Auch in der Türkei gibt es diese jungen Leute, wie sich nicht zuletzt während der wochenlangen Gezi Park Proteste im Jahr 2013 gezeigt hat.

Nach Angaben von MTV World General Manager Nusrat Durrani sei es das Ziel dieses Formats, diese Geschichten anders als in den herkömmlichen Nachrichten zu präsentieren. Da draußen gebe es junge Leute, die unglaubliche Dinge täten, so Durrani im Gespräch mit der türkischen Zeitung Hürriyet. Das bekäme man so gar nicht mit. Der Kreative hofft, dass insbesondere der Beitrag über die Türkei zu einem besseren Verständnis für das Land führen werde. Denn diese Jugend sei die Zukunft.

Das Video portraitiert insgesamt sechs türkische Künstler, darunter eine Rap-Musik-Gruppe, Aktivisten, Journalisten, einen Social-Media-Star und Studenten mit verschiedenen Orientierungen. Seit der Beitrag am 30. April 2015 online gestellt wurde, haben ihn bereits fast 2,1 Millionen YouTube-User angesehen.

Für Nusrat Durrani ist der Film ein echtes Dokument des Wandels und der Aktion – angeführt durch die Jugend. Gerade die Gezi Park Proteste des Jahres 2013 seien seiner Ansicht nach ein sehr gutes Beispiel für die Dynamik der Türkei gewesen.

Angeschnitten werden innerhalb der 31 Minuten Themen wie Gezi Park, Frauenrechte, die Zerstörung der Istanbuler Sulukule Nachbarschaft im Rahmen des Stadtumbaus sowie das Fällen von mehr als 6000 Olivenbäumen für den Bau eines Kohlekraftwerk in Yırca. Zu Wort kommen aber auch zwei Künstler, die die Regierungspartei AKP unterstützen. Auf der anderen Seite stehen die Rapper der Gruppe Tahribad-I İsyan, die  Ungerechtigkeit während der Zerstörung von Sulukule und der Gezi Park Proteste erlitten haben. Sie sagen, der Film solle zeigen, wie „ein Staat seine Nation verachtet und marginalisiert“. Es sei nicht realistisch zu glauben, dass man dieses System, gegen das Hunderte von Menschen gekämpft haben, mit einem Dokumentarfilm einreißen könne. Aber es könnte ein Funke sein, den ein Feuer brauche, genau wie die Rebellion in ihrer Musik, so die Bandmitglieder VZ, Zen-G und Asil Slang.

Neun Menschen im Alter zwischen 14 und 27 Jahren wurden während der Gezi Park Proteste getötet, darunter auch der 14-jährige Berkin Elvan, der im März nach 269 Tagen im Koma verstarb (mehr hier). Sein Schicksal hat in der Türkei ebenfalls zu Massenprotesten geführt. Geht es nach dem Regisseurin der türkischen Doku-Episode, Nisan Dağ, solle der Film zeigen, dass Gezi nur der Anfang sei. „In der heutigen Türkei haben wir keine Redefreiheit. Menschen werden festgenommen, weil sie regierungsfeindliche Inhalte twittern. Mit Rebel Musik konnten wir die Geschichten der Menschen in der Türkei ohne Zensur zeigen. Ich denke, das ist es, was dieses Projekt so bedeutend macht.

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