Europa kann den Aufstieg der Türkei nicht stoppen

Der „neue“ Kalte Krieg zwischen den USA und Russland beschert der Türkei enorme Möglichkeiten. Als US-Verbündeter und wichtiger Handelspartner Russlands will das Land als verlässliche Regionalmacht beider Seiten auftreten. Moskau und Washington haben sich offenbar mit der Türkei darauf geeinigt, die Europäer vollständig von den Energieressourcen des Nahen Ostens abzuschneiden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan symbolisiert den Aufbruch der „neuen“ Türkei. (Screenshot YouTube)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan symbolisiert den Aufbruch der „neuen“ Türkei. (Screenshot YouTube)

Die Türkei könnte aus dem Zwist zwischen dem Westen und Russland als Sieger hervorgehen. Während der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und die türkische Regierung im Rahmen der Nato und auch auf bilateraler Ebene eng mit den USA kooperiert, erweitert sie ihre handelspolitischen und energiepolitischen Beziehungen mit Russland. Dabei ist auffällig, dass sich im selben Zeitraum die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU verschlechtern. Die Türkei ist zwar EU-Beitrittskandidat. Doch die Elite in Ankara weiß nur zu genau, dass die EU sich in einem Prozess des Zerfalls befindet und die Beitrittsoption lediglich als Erpressungsmittel gegen die Türkei genutzt wird, um ihr politische und wirtschaftliche Konzessionen abzujagen. Hier kommt immer wieder die ethnische Karte ins Spiel, wonach ein Bruderkrieg zwischen Kurden und Türken angezettelt werden soll. Alternativ bietet sich für die Europäer die Provokation eines Konfessions-Kriegs zwischen Aleviten und Sunniten an. Für Brüssel soll die Türkei kleiner, schwächer und gefügiger gemacht werden. Nur dann ist dieses große Land zu verdauen für Europa. Als Vorbild dient das Jugoslawien-Modell.

In diesem Zusammenhang kommt Erdoğan ins Spiel. Seine Unbeliebtheit in Europa hängt nicht zusammen mit angeblichen Demokratie-Defiziten in der Türkei. Denn damit haben die Europäer keine Probleme. Schließlich sind die autoritären Regime wie Saudi-Arabien oder Ägypten wichtige Verbündete und Handelspartner der EU. Wenn es um Kritik an diesen Regimen geht, halten sich EU-Politiker zurück. Erdoğans Versuch, die Türkei als Scharnier-Macht zwischen Russland und den USA aufzubauen, wird von der EU mit Argwohn beäugt. Das hat vor allem energiepolitische Gründe. Die EU will ihre Energiezufuhr und die damit zusammenhängenden Energiequellen im Nahen Osten eigenständig kontrollieren. Sie will ihr Schicksal nicht in die Hände Russlands und der USA legen. Eigentlich bräuchte sie zwangsläufig die Türkei, um an die Ressourcen zu gelangen – aber eben eine Türkei, die vollständig unter der Kontrolle Brüssels steht.

Die größten Gegner dieser Wünsche der Europäer sind Russland und die USA. Denn ein Europa, welches seine Energiezufuhr selbstständig kontrolliert, würde tatsächlich zu einer weltweiten Großmacht aufsteigen. Erst dann wäre sie eine wirkliche Bedrohung für die USA und auch Russland und am Ende für die gesamte Welt. US-amerikanische und russische Geopolitiker teilen die Ansicht, dass Europa sein wahres Gesicht zeigen würde, wenn es denn stark genug wäre. Diese Wahrnehmung hängt offenbar mit den Schrecken der beiden Weltkriege zusammen.

Fakt ist: Die längste Friedensperiode in der Welt – ohne einen großangelegten Krieg – gab es in der Zeit des Kalten Kriegs. Diese Friedensperiode hat die Welt diesen beiden Großmächten zu verdanken. Russland und den USA geht es nicht um Macht im engeren Sinne, sondern um das eigene Überleben. Im neuen Modell soll die Türkei als bereits beschriebene Scharniermacht zwischen diesen beiden Großmächten fungieren. So sieht es zumindest aus.

Die Rolle, die die Türkei ausüben soll, liegt vor allem darin, die Europäer und Chinesen von den rohstoffreichen Regionen des Nahen Ostens fernzuhalten. Und genau diese Aufgabe möchte Erdoğans „neue Türkei“ übernehmen. Deshalb wollen die Europäer ihn stürzen.

Die EU war von vornherein eine Totgeburt. Die europäische Gemeinschaft hätte eine Überlebenschance gehabt, wenn zu den Gründungsmitgliedern nicht nur Deutschland und Frankreich, sondern auch die Türkei gehört hätte. Die Kombination aus einer Nuklearmacht, Wirtschaftsmacht und einer Militärmacht mit Zugang zu enormen Ressourcen, ergibt im Regelfall eine Weltmacht.

Am Ende werden die Europäer offenbar Opfer ihrer eigenen historischen Starrsinnigkeit werden.

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