Zwei Waffen und hunderte Patronen: Erdoğan-Berater Bulut würde für seinen Boss sterben

Der Chefberater des türkischen Staatspräsidenten Yiğit Bulut ist offenbar bereit, Recep Tayyip Erdoğan mit allen Mitteln zu verteidigen. Während eines TV-Auftritts stellte er klar, dass er für diese Zwecke „zwei Waffen und hunderte Patronen“ bereit halte. Bereits im vergangenen Jahr fiel der 43-Jährige durch abstruse Verschwörungstheorien auf.

Mit einem umstrittenen Live-TV-Auftritt beim öffentlich-rechtlichen Sender TRT hat sich der türkische Journalist und Präsidenten-Berater Yiğit Bulut in die internationalen Schlagzeilen gebracht. Hier erklärte er, Erdoğan höchstpersönlich mich seinem Leben verteidigen wollen. Auf die Palme gebracht hatte Bulut ein Bericht der türkischen Zeitung Hürriyet zum Todesurteil gegen den einstigen ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi.

„Niemand kann dem gewählten Staatspräsidenten etwas antun, bevor ich sterbe“, so Yiğit Bulut in der Sendung am 19. Mai. „Ich habe über die Jahre dank meiner Rechte zwei lizenzierte Waffen und hunderte Patronen zusammengetragen.“ Bevor er nicht sterbe, erschossen oder gehängt werde, könne niemand den gewählten Präsidenten des Landes auch nur berühren, zitiert ihn die Hürriyet. Nach Ansicht des Chefberaters sei er mit dieser Haltung nicht allein. Ihm zufolge gebe es in der Türkei Millionen, die so denken würden wie er.

Der ehemalige Nachrichtensprecher und Chefredakteur des Privatsenders 24 TV wurde im Juli 2013 zum Chefberater des heutigen türkischen Präsidenten ernannt (mehr hier). Im Zuge der Gezi-Proteste hatte er kurz zuvor gesagt, dass es bestimmte Banken wären, die die Proteste aufheizen würden. Eine Eskalation der „legitimen“ Gezi-Park Proteste und der Sturz Erdoğans sei geplant. Die Bankiers seien unzufrieden mit der geplanten Senkung des Leitzinses. Eine Leitzinssenkung hätte sowohl Verbrauchern sowie Unternehmen die Möglichkeit gegeben, günstige Kredite aufzunehmen. Die Verzinsung von Sparguthaben wären zwar gesunken.

Doch die Regierung habe in erster Linie eine Belebung der Konjunktur beabsichtigt, da Leitzinssenkungen den Konsum ankurbeln. Zudem habe die AKP in den vergangenen Monaten einen finanzpolitischen Kurswechsel eingeschlagen. Der Aktienmarkt sollte genauer unter die Lupe genommen werden, um Börsenmanipulationen zu verhindern. Die Türkei sei beim IWF erstmals seit 52 Jahren schuldenfrei geworden. Das habe einigen Leuten nicht gepasst.

Wenig später tat sich der Ökonnom dann mit eurokritischen Aussagen hervor. Die aktuelle Weltwirtschaftskrise sei seiner Ansicht nach ein vorübergehender Prozess, der eine neue Weltordnung und einen „neuen Westen“ hervorbringen werde. Die EU werde es nicht schaffen, eine führende Rolle zu übernehmen. Doch die Türkei werde eine wichtige globale Rolle übernehmen. Dabei werde sich die Türkei zum einen zwischen den USA und Russland und zum anderen zwischen dem Nahen Osten und den USA befinden. Hier sei eine Ausgleichspolitik die beste Alternative für Ankara (mehr hier).

Zuvor schrieb Erdoğan-Berater Bulut, dass die Türkei aus der EU-Zollunion austreten solle. Die Mitgliedschaft der Türkei in der Zollunion sei ein großer Nachteil für den Wirtschaftsstandort Türkei. Der Freihandel mit Drittländern sei aufgrund der einseitigen restriktiven Bestimmungen nahezu unmöglich. Zudem müsse Ankara den Chinesen Investitionen in türkische Staatsanleihen schmackhaft machen (mehr hier).

Besonders abstrus war seine Warnung, fremde Mächte würden Erdoğan durch Telekinese töten wollen.

Yiğit Buluts jüngste Auslassungen sind nun eine Reaktion auf einen Titel der Hürriyet zum Todesurteil gegen den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi. Das Blatt titelte am Wochenende: „Die Welt geschockt: Todesurteil für einen mit 52 Prozent gewählten Präsidenten“. Darauf hin wurde die Redaktion massiv von Erdoğan angegangen, der sich durch die Schlagzeile angesprochen gefühlt hatte. Denn auch er war im Sommer 2014 ebenfalls mit 52 Prozent gewählt worden. Seine Interpretation, die er in einer Rede im zentralanatolischen Kayseri zum Besten gab: Das Blatt wünscht sich offenbar seinen Tod. Er drohte: „Dogan-Gruppe, du solltest wissen, du lebst dein Leben in Angst.“

Die Zeitung ließ sich jedoch nicht einschüchtern und schoss anschließend mit einem Offenen Brief zurück. Darin heißt es unter anderem: „Weshalb greifen Sie uns mit ungerechtfertigten Behauptungen, offensichtlichen Verdrehungen und Unterstellungen an? Werden Sie uns nun verbannen? Unter Hausarrest stellen? Was werden Sie mit uns machen?“ Die Redaktion fragt, warum sie Angst haben sollte und macht deutlich: „Falls Sie beabsichtigen, uns einzuschüchtern, damit wir keinen Gebrauch von unserem Recht auf Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Kritikfreiheit machen, dann sollten Sie wissen: Wir werden diese Freiheiten furchtlos verteidigen.“

Ausgestanden ist der Schlagabtausch aber offenbar noch lange nicht. Wie BGN News am Donnerstag berichtet, sei gegen die Zeitung nun Strafanzeige gestellt worden. Gefordert wird darin die Verhaftung und Untersuchung von Chefredakteur Sedat Ergin, Managing Director İzzet Doğan sowie die Internet-Redakteure des Blattes.

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