„Jahrhundertprojekt“: Türkische Opposition stellt Mega-City in Anatolien vor

Kurz vor den Parlamentswahlen hat die türkische Oppositionspartei CHP nun ein Jahrhundertprojekt angekündigt. Parteichef Kemal Kılıçdaroğlu stellte den Plan für eine anatolische Mega-City vor, die die Region zu einer globalen Handelsdrehscheibe machen solle. Bis 2035 soll die Stadt fertig sein - so zumindest das aktuelle Ziel.

CHP-Chef Kılıçdaroğlu appelliert daran, die türkischen Standortvorteile zu nutzen und sich durch diese langfristig in den internationalen Fokus zu stellen. Zu diesem Zweck stellte er an diesem Donnerstag ein selbsternanntes „Jahrhundertprojekt“ vor. Kostenpunkt für die neue Mega-City in Anatolien: Rund 200 Milliarden US-Dollar. Wo sie genau stehen soll, ist aber offenbar noch gar nicht heraus.

Wir sind in der Lage, 1,5 Milliarden Menschen in 58 Ländern mit einem 4,5-stündigen Flug zu erreichen“, so Kılıçdaroğlu im Rahmen einer Pressekonferenz über die einmaligen türkischen Standortvorteile. Vor Journalisten stellte er ein gigantisches Städtebau-Projekt vor, das nach seinem Abschluss in gut 20 Jahren Arbeitsplätze für 2,2 Millionen Menschen schaffen und zusätzliche Einkünfte in Höhe von 147 Milliarden Dollar erwirtschaften soll.

Wo die neue Mega-City exakt stehen soll, sei allerdings nicht bekannt gegeben worden, so die Nachrichtenagentur Cihan. Man gehe jedoch davon aus, dass sie in Zentralanatolien entstehen und mit Häfen im Schwarzenmeer sowie im Mittelmeer verbunden werden solle, um den internationalen Handel anzukurbeln. Der neue Knotenpunkt, so werde geschätzt, würde die Transportkosten um 15 bis 20 Prozent senken.

Wir machen die Türkei zu einem globalen Hafen für Länder ohne Zugang zum Meer. Sie werden ihre Produkte hierher bringen, sie hier produzieren und auch verpacken“, so Kılıçdaroğlu weiter.Wenn wir die Vorteile unserer geographischen Lage nutzen, wird die Türkei ein vorrangiges Land in der Region und in der Welt werden.

Die Mega-City soll bis 2035 erbaut werden und rund 200 Milliarden US-Dollar kosten. 40 Milliarden übernehme der Staat, die übrigen 160 Milliarden sollen über private Investoren gedeckelt werden. Einmal fertiggestellt, soll die Stadt Heimat für drei Millionen Menschen werden. Neben der Logistik, sollen weitere Schwerpunkte auf Forschungs- und Entwicklungszentren, TechnoParks und Kunst- und Kulturmessen gesetzt werden.

Das Projekt diene nicht nur der Ankurbelung der Wirtschaft, sagt Kılıçdaroğlu. Er selbst verstehe das Ganze auch als Friedensprojekt. Immerhin werde der Bau auch verhindern, dass die Türkei in Sachen Einkommen und Technologie auf ein Mittelmaß falle. Denn es wird erwartet, dass das sich Bevölkerungswachstum der Türkei verlangsamen und das Land den Vorteil durch seine aktuell junge Bevölkerung bis 2035 einbüßen werde, so Kılıçdaroğlu. Er fürchtet, dass die Türkei ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren werde, wenn man die hauseigenen Vorteile nun nicht richtig nutze.

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