„Made in Turkey“: Amerikaner fliegen auf Kleidung aus der Türkei

Türkische Textilhersteller können derzeit offenbar den amerikanischen Traum träumen. Die US-Kunden haben das Label „Made in Turkey“ mittlerweile sehr gut akzeptiert. Die türkische Industrie muss nun allerdings handeln, um nachhaltig von diesem Boom zu profitieren.

Die Zeichen für türkische Textilhersteller in den USA stehen offenbar auf Grün. Günstige Wechselkurse und die Expansionspolitik bekannter Marken verleihen dem Gewerbe deutlichen Auftrieb. Manch Experte träumt schon jetzt davon, dass die Türkei demnächst China als Top-Produzenten ablösen könnte.

„Vor 10 Jahren betrugen die türkischen Textilexporte in die USA 1,5 Mrd. USD. Momentan aber exportiert man für ca. 400 Mio. USD. Der Wertverlust der TL gegenüber dem USD hat die türkischen Textilien wieder interessant gemacht“, so Dr. Ahmet Refii Dener. Der Fachmann unterstützt seit 1987 deutsche Unternehmen, sich im lukrativen türkischen Markt zu orientieren. Nun hat er sich die Chancen der türkischen Textilwirtschaft in den USA näher angesehen.

Neben dem Währungsaspekt scheint das Geschäft seiner Ansicht nach vor allem durch einen weiteren Aspekt zu boomen. Denn viele europäische Marken, die größtenteils Textilien aus türkischer Produktion verkauften, würden nun in den USA Filialen eröffnen. „Zara, Marks & Spencer, H&M sind die Vorreiter und werden von den Amerikanern, die jetzt öfters “Made in Turkey” begegnen, akzeptiert. Auch lässt z.B. der bekannte US amerikanische Label Ann Taylor u.a. ebenfalls in der Türkei produzieren. Auf einmal stehen die Amerikanern auf ‚Made in Turkey’“, sagt der Marketing & Management Consultant.

Jetzt gelte es, diese Stimmung nachhaltig zu nutzen. Aber: Die Export und Textilherstellerverbände seien sich noch uneins, welchen Weg man bestreiten solle, so der Experte. Seiner Meinung nach sei deshalb Ankara gefragt: „Der Zeitpunkt ist genau richtig, jetzt muss der Staat entsprechend fördern und schaffen, dass die türkischen Textilhersteller, fest ein Teil des US amerikanischen Marktes werden, wie in Europa.“ Immerhin hätten die türkischen Produzenten einiges zu bieten: So stelle die türkische Textilindustrie alle Qualitäten her und lege in allen Belangen eine entsprechende Flexibilität an den Tag. Dener zufolge werde sich schon bald die Frage stellen: „In einigen Monaten aus China beziehen oder in 2-4 Wochen aus der Türkei, dem China Europas und demnächst der USA.“

Im Aufschwung befindet sich übrigens nicht nur die klassische Modeindustrie. Neuester Trend: Die Modewelt hat gläubige Muslime für sich entdeckt. Islam konforme Kleidung ist mittlerweile zu einem Milliardengeschäft geworden. Das Wachstumspotential dieses Marktes ist enorm, schließlich soll der Islam bis zur Mitte des Jahrhunderts die weltweit führende Religion werden (mehr hier).

Wie viel Geld muslimische Kunden für die passende modische Kleidung in die Hand nehmen, zeigen etwa die Zahlen des State of the Global Islamic Economy 2014-2015 Report von Thomson Reuters und Dinar Norm. Darin enthalten sind die aktuellsten verfügbaren Daten. Beziffert werden die Ausgaben für Kleidung darin mit ganzen 266 Milliarden Dollar – allein für das Jahr 2013. Die Fachleute schätzen, dass sich dieser Konsum bis zum Jahr 2019 auf 484 Milliarden US-Dollar nach oben schrauben werde. Zum Vergleich: US-amerikanische Verbraucher gaben 2013 rund 395 Milliarden US-Dollar für Textilien aus.

Das zunehmende Interesse muslimischer Kunden ist auch den Designern nicht verborgen geblieben, berichtet das Fachblatt Business Insider. So wurde zum Beispiel das 2006 in Kuala Lumpur gestartete Fashion Festival eigenen Angaben zufolge mittlerweile 17 Mal in New York nach London, Jakarta, Dubai, Singapur, Monte Carlo und anderen Städten veranstaltet.

In diese Nische gewagt hat sich vergangenen Sommer auch das bekannte internationale Label DKNY. Es zählt zu den wichtigsten Trendmarken der Welt und nutzte 2014 die Gelegenheit für einen einzigartigen Test. Angeboten wurde erstmals eine eigene Ramadan-Kollektion, die allerdings nur am Arabischen Golf zu haben war.

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