ESC 2015: Das deutsche Desaster in Wien

Deutschland muss sich am Ende des 60. Eurovision Song Contest mit null Punkten abfinden. Sieger ist zum sechsten Mal Schweden. Elnur Hüseynov, der inoffiziell auch die Türkei vertrat, schaffte es immerhin auf Platz 12.

Zero Points go to Germany: Deutschland hat zum ersten Mal seit 50 Jahren beim Eurovision Song Contest null Punkte geholt. Die Sängerin Ann Sophie (24) landete mit dem Lied «Black Smoke» auf dem letzten Platz in einem Teilnehmerfeld von 27, ebenso wie die Vertreter Österreichs. Zuletzt war Deutschland im Jahr 2008 mit der Band No Angels auf den letzten Platz gelandet. Platz eins holte zum sechsten Mal Schweden. Damit kehrt der ESC im kommenden Jahr in das skandinavische Land zurück, wo er zuletzt 2013 gastiert hatte.

«Ich meine, dass man Ann Sophie nichts vorwerfen kann. Sie hat einen Super-Job gemacht», sagte der langjährige ESC-Kommentator Peter Urban im ARD-Fernsehen. «Es gab eine Reihe von Favoriten, die haben alle Stimmen abgesahnt.» Ann Sophies Soul-Song habe aber offensichtlich nicht den Nerv der anderen Nationen getroffen. Sie selber reagierte sehr locker und sagte lachend: «Es war definitiv eine Achterbahn. Es hat trotzdem super viel Spaß gemacht.»

Auf den ersten Platz kam der Sänger Måns Zelmerlöw für Schweden. Sein Lied «Heroes» ist ein discotauglicher Popsong (komponiert von Linnea Deb, Joy Deb, Anton Hård af Segerstad). Sein Auftritt dürfte vielen wegen der visuellen Tricks in Erinnerung bleiben, darunter ausgefeilte Strichmännchen-Animationen. Schweden siegte bereits zum sechsten Mal bei dem traditionsreichen Musikwettbewerb, den es seit 1956 gibt. Auf Platz zwei kam Russland vor Italien und Belgien.

Die deutsche Sängerin Ann Sophie war im März als Zweitplatzierte beim deutschen Vorentscheid nachgerückt, nachdem der eigentliche Sieger Andreas Kümmert überraschend am Schluss der Show seinen Rückzug erklärte und sagte, er wolle nicht nach Wien fahren.

Auch in den vergangenen Jahr hatte die Bundesrepublik nicht besonders gut abgeschnitten: 2014 gab es Rang 18, davor Platz 21. Deutschland hat bislang zweimal gewonnen: 2010 mit Lena («Satellite») und 1982 mit Nicole («Ein bißchen Frieden»).

Trotz einer Erkältung meisterte Ann Sophie ihren Auftritt mit der Startnummer 17 gegen 22.30 Uhr gut und mit kraftvoller Stimme. 27 Lieder konkurrierten beim großen Finale in der Wiener Stadthalle um den Sieg. Erstmals war auch Australien als Ehrengast dabei: Der Sänger Guy Sebastian landete mit dem eingängigen Pop-Song «Tonight Again» schließlich auf dem fünften Platz.

Beim ESC 2014 hatte die bärtige Dragqueen Conchita Wurst mit der pompösen Popballade «Rise Like A Phoenix» gewonnen und somit den Grand Prix nach Österreich geholt. Die Show 2015 war im Vergleich zu einigen Ausgaben in Vorjahren eher klein gehalten, vor etwa 10 000 Zuschauern. Dennoch war das fast vierstündige TV-Spektakel in weiten Teilen eine spektakuläre Licht- und Musikshow auf einer aufregenden Bühne. Conchita Wurst schwebte bei der Show-Eröffnung ein und sang später auch zwei neue Songs. Dem ausrichtenden Sender ORF zufolge kostete das Spektakel etwa 25 Millionen Euro.

Geschätzt 100 Millionen Zuschauer verfolgten die Finalshow vor den Bildschirmen in ganz Europa sowie Australien und China. Die drei Moderatorinnen Arabella Kiesbauer (46), Alice Tumler (36) und Mirjam Weichselbraun (33) führten kühl-charmant durch die Gala. Bei der Punktevergabe gab es Pannen bei Schalten, etwa nach Portugal, die dann später nachgeholt werden mussten.

Insgesamt 40 Länder nahmen am ESC 2015 teil. 13 Teilnehmer schieden in den Halbfinals am Dienstag und Donnerstag aus, so die dpa.

Die Moderatorin Barbara Schöneberger verkündete Deutschlands höchste Wertungen von der Hamburger Reeperbahn aus. Deutschlands Höchstwertung «Twelve Points» (zwölf Punkte) ging an Russland. Schweden bekam zehn Punkte und Belgien acht.

Die Punkte der Länder setzen sich 50:50 aus der Zuschauerabstimmung und der Wertung einer Fachjury zusammen, in der dieses Jahr in Deutschland zum Beispiel die Musiker Mark Forster («Flash mich»), Ferris MC und Johannes Strate von der Band Revolverheld saßen.

Im vergangenen Jahr schalteten in Deutschland durchschnittlich etwa 8,9 Millionen Fernsehzuschauer ein. Die diesjährige Quote wurde am Sonntagmorgen erwartet.

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