Verteidigungsministerium: Bundeswehr sucht ersten Imam für muslimische Soldaten

Muslimische Soldaten in der Bundeswehr können wohl schon bald auf einen eigenen Imam zurückgreifen. Wie das Verteidigungsministerium gegenüber den Medien bestätigte, suche die Bundeswehr gerade in der Tat einen Militärseelsorger muslimischen Glaubens. Forderungen nach einem solchen Schritt gibt es bereits seit Jahren.

Bereits seit 2011 existiert das Arbeitspapier des Zentrums für Innere Führung mit dem Titel „Deutsche Staatsbürger muslimischen Glaubens in der Bundeswehr“. Jetzt bestätigte das Verteidigungsministerium auf Anfrage der Bild, dass tatsächlich ein Imam gesucht werde.

Geschuldet sei dieser Schritt der offenbar wachsenden Zahl an Muslimen in Uniform, berichtet hierzu die türkische Zeitung Sabah. „Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass sich der Islam in Deutschland inzwischen als drittgrößte Religion etabliert hat, stellt sich die Frage, ob für unsere Soldaten muslimischen Glaubens eine eigene Militärseelsorge möglich ist“, zitiert das Blatt einen Sprecher der Bundeswehr. Auch deshalb sei zum 1. Mai am Zentrum „Innere Führung“ in Koblenz eine „Zentrale Ansprechstelle für Soldatinnen und Soldaten anderer Glaubensrichtungen„ eingerichtet worden.

Bereits seit den 1960er Jahren kümmern sich die katholische und die evangelische Kirche um die deutschen Soldaten. Mittlerweile wird geschätzt, dass jeder fünfte Bundeswehrangehörige einen Migrationshintergrund besitzt. Die Militärseelsorge sei Teil kirchlicher Arbeit und werde im Auftrag und unter Aufsicht der Evangelischen und Katholischen Militärseelsorge ausgeübt, so das Domradio. Gesetzliche Grundlagen seien Artikel 4 des Grundgesetzes, aus dem sich auch für Soldaten das Grundrecht auf freie Religionsausübung ableite, sowie die im Soldatengesetz festgeschriebenen Regelungen.

Einfach werden dürfte die Suche nach dem ersten Imam in der Bundeswehr aber nicht werden. Es gibt unterschiedliche Glaubensrichtungen. Zudem fehlt ein einheitlicher Ansprechpartner.

Der Zentralrat der Muslime sprach sich bereits Anfang 2014 für eine Öffnung der Bundeswehr für islamische Geistliche aus. Der Chef des Zentralrats begründet dies mit geschätzten 1600 muslimischen Soldaten in der Bundeswehr. Seelsorger seien nach Ansicht des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime (ZDM), Aiman Mazyek, zum Ausüben des Glaubens muslimischer Soldaten notwendig. „Wir brauchen muslimische Seelsorger in der Bundeswehr“,  zitierte die Huffington Post Mazyek (mehr hier).

Die Bundeswehr stellt für junge Deutsch-Türken ein beliebtes Karrieresprungbrett dar. Bisher hatten Muslime keinerlei Probleme bei der Ausübung ihres Glaubens, mit Ausnahme des Kopftuch-Verbots.

Bereits im Juli 2011 befürwortete der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime die Einführung von Militärimamen bei der Bundeswehr. Schließlich seien die muslimischen Soldaten ebenfalls in gefährlichen Einsätzen unterwegs, etwa in Afghanistan. Früher oder später werde es auch bei ihnen Bedarf für Seelsorger geben, so Mazyek damals. Darauf sollte man vorbereitet sein. Ganz zu schweigen von der „hohen integrativen Bedeutung“. Wichtig sei die Installation von Imamen auch für die Vorgesetzten, so Erol Pürlü, Dialogbeauftragter des Verbandes der Islamischen Kulturzentren, während der Debatte 2011. Diese könnten sich dann auch an den Imam wenden, wenn es Ärger um religiöse Fragen gebe.

Die Bundeswehr vertrat zu diesem Zeitpunkt allerdings die Auffassung, dass die Zahl der muslimischen Soldaten noch zu gering sei, um eine spezielle Militärseelsorge zu unterhalten.  Da die Religionszugehörigkeit von Bundeswehrsoldaten nicht zwingend angegeben werden muss, gibt es ohnehin keine exakten Zahlen. Ein weiteres Problem sei zudem der fehlende Ansprechpartner. Entsprechende Staatsverträge wie sie mit der evangelischen und katholischen Kirche existieren, gibt es nicht.

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