Leere Kirchen: Wird der Sonntagsgottesdienst jetzt auf den Abend verschoben?

Ausschlafen, Zeit mit der Familie verbringen, zum Fußball gehen: Deutsche Christen bleiben dem Sonntagsgottesdienst offenbar nicht aus mangelndem Interesse fern. Sie haben schlicht andere Verpflichtungen. Um die Kirchenbänke wieder zu füllen, wird jetzt über eine Verschiebung der Gottesdienstzeiten nachgedacht.

Deutsche finden die Predigten nicht schlecht, sie haben nur schlicht keine Zeit. (Foto: Flickr/ Holy Week by Vinoth Chandar CC BY 2.0)

Deutsche finden die Predigten nicht schlecht, sie haben nur schlicht keine Zeit. (Foto: Flickr/ Holy Week by Vinoth Chandar CC BY 2.0)

Um die Kirchenbänke sonntags wieder zu füllen, hat die westfälische Präses Annette Kurschus eine Debatte über eine Verschiebung des morgendlichen Gottesdienstes auf den Nachmittag oder Abend angestoßen. «Die Lebenswirklichkeit von Familien ist eine andere geworden», sagte das Oberhaupt der Evangelischen Kirche von Westfalen am Montagabend vor Journalisten in Dortmund. Für sie selbst sei der Sonntagabend durchaus als Gottesdienst-Alternative denkbar. Wichtig sei ein regelmäßiges und zuverlässiges Angebot am Sonntag, um weiter präsent zu sein.

Kurschus reagierte damit auf Forschungsergebnisse, wonach sich immer mehr Christen nicht unbedingt wegen Kritik an den Predigten oder der Kirche allgemein abwenden, sondern weil sie und ihre Familien am Sonntagmorgen andere Verpflichtungen haben. Der Religionssoziologe Detlef Pollack hatte dazu im Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa gesagt: «Viele Menschen finden einfach anderes wichtiger: Sie bleiben nicht fern, weil sie die Predigt doof finden. Es ist vielmehr so: Sie möchten lieber ausschlafen, Zeit mit der Familie verbringen, zum Fußball gehen.»

Einzelne Versuche mit neuen Gottesdienstzeiten gibt es bereits in der rheinischen Kirche, der zweitgrößten deutschen Landeskirche. Den traditionellen Sonntagmorgen als festen Termin des Gottesdienstes schreiben die jeweiligen Kirchenordnungen nicht konkret vor, sondern sie lassen Freiraum.

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