Erdoğan rügt New York Times: „Sie kennen Ihren Platz“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan mischt sich in die Berichterstattung der internationalen Presse ein. Öffentlich ging er nun auf die renommierte New York Times los. Diese hatte jüngst einen Leitartikel mit „Dunkle Wolken über der Türkei“ überschrieben.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat die New York Times für ihren Leitartikel mit dem Titel „Dunkle Wolken über der Türkei“ als „schamlos“ kritisiert. In Richtung Zeitung gewandt warnte er: „Sie kennen Ihren Platz“.

Seinem Unmut über die Berichterstattung des US-Mediums machte Erdoğan während einer Diskussionsveranstaltung in Istanbul Luft, berichtet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. „The New York Times sagte, dass Erdoğans Türkei unter Druck stehe. Welche Art von Druck ist das? Auf was stützt sich das? Sie kennen Ihren Platz. Seit wann verleumden Sie uns von den USA aus?“, so Erdoğan.

Die New York Times hatte am 22. Mai darüber berichtet, dass Erdoğan bereits seit langem versuche, türkische Medien einzuschüchtern und zu drangsalieren. Jüngster Fall sei in diesem Zusammenhang eine Strafanzeige gegen die Redakteure der Tageszeitung „Hürriyet“ wegen einer Schlagzeile auf ihrer Website gewesen (mehr hier). Das Blatt schrieb: „Herr Erdoğan scheint zunehmend feindselig gegenüber dem Aussprechen der Wahrheit zu sein. Die Vereinigten Staaten und die anderen Partner der Türkei sollten ihn dazu drängen, diesen zerstörerischen Weg zu verlassen.“

Für Erdoğan offenbar eine unzumutbare Einmischung in innertürkische Angelegenheiten. Hier werde ein Urteil aus einer Entfernung von 10.000 bis 15.000 Kilometern gefällt. Eine solche Türkei gebe es allerdings nicht mehr. Nun existiere eine neue Türkei. „Wer sind Sie schon? Können sie so was auch gegen die US-Regierung schreiben? Wenn sie das machen, wird umgehend das Notwendige veranlasst werden“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet.

Erst Mitte März dieses Jahres hatte eine große Mehrheit der US-Senatoren Außenminister John Kerry aufgefordert, sich für mehr Pressefreiheit in der Türkei einzusetzen. In einem von 74 Senatoren unterzeichneten Schreiben äußerten sie ihre Sorge über Strafen gegen türkische Medien und deren Zensur durch die Regierung. Das sei ein Affront gegen die Grundprinzipien der Demokratie (mehr hier).

«Der Versuch der türkischen Regierung, die türkischen Medien zu bestrafen und zu zensieren, ist Anlass zu großer Sorge für die Vereinigten Staaten», hieß es in einem am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichten Schreiben.

In dem von 74 der 100 US-Senatoren unterzeichneten Aufruf steht weiter: «Ein so breites Bemühen der türkischen Regierung, Medien zu zensieren, ist ein Affront gegen die Grundprinzipien der Demokratie, der freien Gesellschaft, der freien Marktwirtschaft, der Rechtsstaatlichkeit und der Chancengleichheit.» Die Senatoren fordern Kerry dringend dazu auf, die Angelegenheit mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu besprechen.

Auf dem Index zur Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen steht die Türkei auf Rang 154 von 180. Die politische Führung der Türkei weist Zensurvorwürfe regelmäßig zurück und verbittet sich jede Einmischung. Erdogan sagte Ende vergangenen Jahres: «Auf der Welt gibt es keinen Platz, an dem die Medien so frei wie in der Türkei sind.»

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass der türkische Präsident gegen die New York Times wetterte. Bereits im September 2014 beschimpfte er das Blatt, weil es behauptet hatte, die Türkei sei eine der größten Rekrutierungsquellen für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

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