Anhänger im Ausland: Wenn Erdoğan spricht, erhebt sich der Balkan

Die Muslime auf dem Balkan möchten, dass Recep Tayyip Erdoğan weiterhin eine einflussreiche Rolle in der Türkei spielt. Sie erhoffen sich eine starke Türkei, die sie vor Aggressionen schützt. Der Völkermord an den bosnischen Muslimen hat sich ins Gedächtnis der Menschen eingebrannt. Doch Erdoğan verfolgt eine Balkan-Politik, die alle ethnischen Gruppen umfasst.

Geliebt und gehasst: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan löst zwiespältige Gefühle im In- und Ausland aus. (Foto:flickr/francediplomatie)

Geliebt und gehasst: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan löst zwiespältige Gefühle im In- und Ausland aus. (Foto:flickr/francediplomatie)

In der Türkei hat Präsident Recep Tayyip Erdoğan angesichts der zahlreichen politischen Affären einen schweren Stand. Doch bei den bosnischen Muslimen und den Muslimen auf dem restlichen Balkan genießt er immer noch ein hohes Ansehen.

Vergangene Woche haben sich in Sarajewo und in Novi Pazar Tausende Menschen in den Moscheen und Derwisch-Klostern zusammengefunden, um für Erdoğan zu beten. Die slawischen Muslime möchten, dass er an der Macht bleibt. Sie zeichnen sich durch eine tiefe Verbundenheit zur Türkei aus. Ausschlaggebend ist die gemeinsame osmanische Tradition und Kultur. Im Gegensatz zu den arabischen Ländern löst die Erinnerung an das Osmanische Reich viel Sympathie bei den Muslimen des Balkans aus. „Die Türkei muss stabil bleiben, damit Bosnien in Harmonie lebt“, zitiert die Nachrichten-Agentur Anadolu den Bürgermeister des Landkreises Ilica in Sarajewo, Senaid Memiç.

Die RotaHaber zitiert den Chef der Demokratischen Union des Sandschaks (BDZ), Yahya Ferhatoviç: „Ohne eine starke Türkei kann es keine Stabilität auf dem Balkan geben. Deshalb sind die Anstrengungen des türkischen Volks auch unsere Anstrengungen. Die Türkei befindet sich in einer schwierigen Phase. Wir hoffen, dass das türkische Volk diese Phase mit demokratischen Mitteln überstehen wird.“

Für den Imam aus der Region Sandschak, Samedin Haciyiç, ist die Türkei „die Mutter aller Muslime“ auf dem Balkan. „Die Muslime mussten seit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs mit vielen Schwierigkeiten kämpfen. Wir möchten nie wieder das erleben, was uns zugestoßen ist“, zitiert die Nachrichten-Agentur Andolu Haciyiç.

Die Erinnerung an die Schrecken des Bosnienkriegs sitzt sehr tief bei den slawischen Muslimen. Zwischen 1992 und 1995 waren sie den serbischen Paramilitärs (Tschetniks) hilflos ausgeliefert. Sie fühlten sich von Europa im Stich gelassen. Ausschließlich die Türkei und die USA setzten sich für die Muslime ein. Hinzu kam, dass das Massaker von Srebrenica an den Muslimen nur stattfinden konnte, weil die Menschen den  Paramilitärs von niederländischen UN-Soldaten ausgeliefert wurden.

Allerdings hat Recep Tayyip Erdoğan vergangene Woche bei einem Staatsbesuch in Bosnien, dass es auf dem Balkan künftig keine Vergeltungen geben dürfe. „Wir fördern in Bosnien Projekte, die Serben, Kroaten und Muslimen im selben Maße zur Verfügung stehen werden. Ein Ausschluss von bestimmten Gruppen kommt nicht in Frage. Wir werden Bosnien auf allen Ebenen unterstützen“, zitiert TRTHaber Erdoğan

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