Galatasaray: Eine Saison, zwei Trainer, drei Präsidenten und vier Sterne!

Galatasaray hat mit dem Gewinn des vierten Sterns einen weiteren Meilenstein gesetzt. Ende gut - alles gut? Nicht für Redakteur Hüseyin Yilmaz, der in seiner Kolumne insbesondere die Vermarktungsstrategie der Gelb-Roten aufs Korn nimmt.

„Eine Saison, zwei Trainer, drei Präsidenten und vier Sterne!“ – So könnte man vermutlich ein überschaubares Resume in Zahlen über den Ablauf der Saison von Galatasaray erfassen. Wenn einem Galatasaray-Anhänger im November 2014 jemand betont hätte, dass seine Mannschaft im Mai 2015 sowohl die Meisterschaft gewinnen, als auch im Finale des türkischen Pokals stehen wird, hätte er diese Person wahrscheinlich als „Träumer“ oder „Schönredner“ abgestempelt.  Trotz der gewaltigen Probleme an allen Ecken des Vereins von Vorstand bis Mannschaft in der Anfangsperiode der Saison haben die Gelb-Roten mit sehr strukturell raffinierten Entscheidungen Stärke und Leadershipskills zum Ausdruck gebracht und somit den Meilenstein für eine doch noch erfolgreiche Saison gelegt.

Nur Meister werden reicht nicht mehr aus: Schlechte Vermarktung des Erfolgs

Im modernen Zeitalter des Fußballs ist ein für Relevanz sorgender Aspekt die Generierung von Kapital durch die Vermarktung des Erfolgs, welches professionelle und qualifizierte Angestellte erfordert, die das Business verstehen und als Fachmänner oder -frauen im Institut der Wirtschaft agieren können. Die Einnahmen von den Sendern der Spiele für die Übertragungsrechte im Fernsehen oder die Prämien der Verbände sind für die Existenz von großen Mannschaften natürlich nicht mehr ausreichend. Der Tenor meiner Kolumne thematisiert die verwerfliche Vermarktung des vierten Sterns von Galatasaray seit dem vergangenen Sonntag.

Meister und Vierter Stern: SEHR GUT, Vermarktung der 20. Meisterschaft: UNGENÜGEND

Nachdem man am vergangenen Sonntag die Meisterschaft der Mannschaft aus dem europäischen Teil von Istanbul mit Vergnügen und Freude gefeiert hat, resultierte sich seitens meiner Person paar Tage später folgender Gedanke: Man muss sich beim Verein für den vierten Stern bedanken, indem man sofort Artikel aus dem GS Store (Fanshop von Galatasaray) kauft, die gleichzeitig den Stolz zur Mannschaft zum Ausdruck bringen sollen. Somit begann die spannende Suche nach zufriedenstellenden Kleidungsstücken oder auch anderen Artikeln im Online-Shop vom Galatasaray Store. Die Ausbeute war unglaublich: Lediglich ein T-Shirt mit dem Schriftzug „Irgendwann werden alle den vierten Stern bekommen, jedoch wird die Geschichte uns als erstes erwähnen“, welches nicht mehr vorrätig war und nachproduziert werden musste. Der zweite und letzte Artikel war eine überteuerte Backform ohne Logo des Vereins mit vier Sternen in Anlehnung zur Provokation des Erzrivalen Fenerbahce, wessen Anhänger am Anfang der Saison sich köstlich darüber amüsierten, als man ein Mannschaftsfoto in der Türk-Telekom-Arena schoss, wo sich der gesamte Mannschaftsstab und der damalige Vorstandspräsident Ünal Aysal in einem geformten Stern befanden. Mehr hatte der Fanshop nicht zu bieten.

Führen wir ein kleines Rechenbeispiel mit erhöhter Großzügigkeit durch: Bei 20 Millionen Fans von Galatasaray weltweit lässt sich vielleicht realisieren, dass 500.000 Anhänger denselben Grundgedanken hatten und vielleicht bereit waren 20€ für Meisterschaftsartikel auszugeben, obwohl es wahrscheinlich ein höherer Beitrag war. Dann hat der Verein kurzfristig einen Umsatz von 10.000.000€ in Brutto verpasst, nur weil der Stab vom Store sich nicht auf die Meisterschaft vorbereitet hat! Ist das nicht schade? Gerade in so einer Phase, wo der Club jeden Cent zweimal drehen muss bevor er es ausgibt? Man hätte diesen Titelgewinn viel effektiver in allen Belangen der Ökonomie nutzen können. Es stellt sich die Frage, wofür die von diesem fatalen Fehler betroffenen Personen bezahlt werden und wie sie das Ganze verantworten können. Natürlich wird das Sortiment in den kommenden Wochen erweitert werden und einen bestimmten Umsatz wird man erlangen, aber erzielt man die höchsten Einnahmen nicht in dem Moment, wo der Erfolg am aktuellsten und die Euphorie am größten ist?

GALATASARAY STORE VS. FENERIUM

Man kann tatsächlich in Erwägung ziehen, dass das Galatasaray Store sich eine Scheibe von Fenerium abschneiden kann, die sogar jeden Derbysieg erfolgreich vermarkten und für brisante Verkäufe sorgen. Die Rivaliät spiegelt sich nicht mehr nur auf dem Spielfeld wider, sondern ist auch ein fester Bestandteil in etlichen weiteren Gebieten und in den Gebieten der Fanshops und der Promotion ist Fenerbahce Spitzenreiter im Vergleich zum Kontrahenten. Einige erwähnenswerte Fakten in Zahlen anhand seriöser Quellen wären folgende: Während Galatasaray 81 Verkaufsstandorte mit insgesamt 9078m² in der Türkei besitzt, dominiert Fenerbahce mit 93 Stätten und 10041m². Der Firmenwert beläuft sich beim GS Store auf 180 Millionen TL, beim Fenerium sind es sage und schreibe 280 Millionen TL. Während der GS Store in diesem Jahr Nettoverkaufserlöse in Höhe von 88,1 Millionen TL erzielen konnte, erreichte das Fenerium ein Nettoverkaufserlös von 134,4 Millionen TL.

Die Spieler von Galatasaray haben vermutlich ihre Hausaufgaben in dieser Saison mit dem Titelgewinn erfüllt, kann man dasselbe für das Führungspersonal vom GS Store auch behaupten? Meine Antwort wäre: ein klares NEIN! Der neue Vorstand sollte vielleicht überlegen, ob die richtigen Leute die Posten beim Store übernommen haben und ihrer Arbeit gerecht werden. Personelle Umstrukturierungen, bedingt an das Versäumnis große Einnahmen direkt und kurzfristig durch Artikelverkäufe über den vierten Stern zu erzielen, werden auf alle Fälle geraten.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.com.

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