Hälfte der Grundschüler in Berlin-Neukölln kann nicht schwimmen

Viele kleine Kinder planschen schon vor der Schulzeit zusammen mit den Eltern im Meer. Mit fünf oder sechs Jahren können sie schwimmen. In Berlin-Neukölln ist das anders - der Bezirk schlägt Alarm.

Schuld an der «katastrophalen Nichtschwimmerquote» sind nach Einschätzung des Bezirks die Eltern. (Foto: Flickr/ Let's Go Swimming! by peasap CC BY 2.0)

Schuld an der «katastrophalen Nichtschwimmerquote» sind nach Einschätzung des Bezirks die Eltern. (Foto: Flickr/ Let’s Go Swimming! by peasap CC BY 2.0)

Am Ende der 3. Klasse sind die meisten Kinder neun Jahre alt, über 1,30 Meter groß – können aber oft noch lange nicht schwimmen. Fast die Hälfte der Drittklässler in Berlins Problembezirk Nummer Eins Neukölln kann sich nicht alleine über Wasser halten. Der Bezirk schlug am Freitag Alarm und will nun mit einem «Wassergewöhnungsprojekt» den Zweitklässlern an den Grundschulen die Angst nehmen. Die Situation sei «erschreckend» und «alarmierend».

An den Grundschulen steht in diesem Schuljahr der erste Schwimmunterricht an – der oft scheitert. «Grund ist, dass viele Kinder vor dem regulären Schulschwimmen keinerlei Wassererfahrung außerhalb von Badewanne und Dusche gemacht haben und teilweise extreme Wasserängste haben, die erst überwunden werden müssen», erklärte Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). Die Wassergewöhnung müsse früher einsetzen.

Schuld an der «katastrophalen Nichtschwimmerquote» sind nach Einschätzung des Bezirks die Eltern. «Gerade unter den Migrantenkindern sind viele, die nicht in Seen oder Bäder gehen, weil ihre Eltern das auch nicht tun», sagte Bezirkssprecherin Bärbel Ruben der Deutschen Presse-Agentur. Das habe in den meist türkisch– oder arabischstämmigen Familien auch kulturelle und religiöse Gründe.

Der Bezirk Neukölln im Südosten Berlins hat rund 325 000 Einwohner. In den Grundschulen liegt der Anteil der Kinder aus Einwandererfamilien bei 80 Prozent.

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