Türkischer Premier Davutoğlu: Erstes türkisches Auto wird im August vorgestellt

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu hat die Hoffnungen auf ein rein türkisches Auto erneut geschürt. Wie er jetzt ankündigte, werde der Prototyp des ersten im Inland produzierten Autos bereits im kommenden August fertiggestellt sein. Ginge es nach dem Politiker, könnte die Produktion bereits 2016 anlaufen.

Davutoğlu verkündete die Nachricht vom ersten türkischen Fahrzeug-Prototypen am 1. Juni. Wie das Auto beschaffen sein wird, gab er allerdings nicht bekannt. Nach Ansicht seines Technologieministers bestünde jedoch vor allem im Bereich der E-Mobil-Technik erhebliches Potential. Entsprechende Pläne kursieren bereits seit längerem.

Alle Vorbereitungen sind abgeschlossen und wir werden die Papiere noch in dieser Woche unterschreiben“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Premier Davutoğlu im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung für die AKP in der zentralanatolischen Provinz Kırıkkale. Dem Politiker zufolge werde die Produktion der ersten Fahrzeuge bereits im kommenden Jahr anrollen. Damit würde die Regierung ihr vor zwei Jahren gesetztes Ziel, mit Hilfe von lokalen Ressourcen ein eigenes Auto zu produzieren, nun tatsächlich umsetzen.

Erst im vergangenen Februar wies der türkische Industrie- und Technologieminister Fikri Işık darauf hin, dass er die E-Mobil-Technik als die „neue Gelegenheit“ betrachte. Immerhin hätte die Türkei in Sachen Verbrennungsmotoren den Zug bereits lange verpasst. „Es gibt da eine neue, aufstrebende Technologie: LangstreckenElektroautos. Dieser Sektor wird seine goldenen Jahre in den kommenden vier bis fünf Jahren erleben. Wir wollten diese Chance nutzen und haben eine umfassende Studie initiiert. Jetzt ist es an der Zeit, die Früchte zu ernten“, so Işık.

Im Februar hatte der türkische Industrieminister seine Amtskollegen aus der D-8 Gruppe der Entwicklungsländer anlässlich eines Treffens der D8-Staaten in der iranischen Hauptstadt Teheran aufgefordert, sich an der Schaffung einer Joint Venture Automarke zu beteiligen. Seiner Ansicht nach mache eine solche Kooperation absolut Sinn. Das Gesamtvolumen des bilateralen Handels zwischen den Mitgliedstaaten habe sich zwischen 2000 und 2011 verdoppelt. Das neue Ziel bis 2018 sieht einen Anteil von 20 Prozent am gesamten Welthandel vor (mehr hier).

Die Türkei hat sich dem Projekt zur Entwicklung einer nationalen Automarke bereits 2010 verschrieben. Damit sollten die Exporte des Landes gesteigert und gleichzeitig das Leistungsbilanzdefizit reduziert werden. Einige türkische Unternehmer wollten in der Vergangenheit sogar mehrere Automarken auf den Markt bringen (mehr hier).

Investoren zeigten sich jedoch skeptisch ob solcher Vorhaben. „Kein Industrieller wird die Verantwortung dafür übernehmen, ein nationales Auto zu produzieren, wenn die wirtschaftiche Basis für dieses Vorhaben nicht genau berechnet wurde“, erklärte Haydar Yenigün, General Manager von Ford Otosan in der Türkei im Jahr 2012. Zudem sei die Herstellung eines türkischen Autos falsch verstanden worden. Ziel sei es nicht, ein Auto komplett in der Türkei herzustellen, denn das sei „unmöglich“. Ziel sei vielmehr eine eigene türkische Automarke. Die Unterstützung der Regierung sei ebenfalls noch nicht klar durchdacht worden, denn welche Hilfe die Regierung vorsehe, wisse man nicht. Andere zeigten sich optimistischer und sahen die Herausforderung nicht in der Produktion, sondern eher im Vertrieb sowie im Marketing (mehr hier).

Zuletzt kündigte die Türkei im März 2014 eine eigene Automarke an. Gebaut werden sollte ein eigenes Elektroauto. Wie innovativ hier junge türkische Ingenieure sein können, zeigte sich im September des gleichen Jahres. Studenten aus Istanbul haben ein Elektroauto gebaut, das sie anschließend in der ganzen Türkei getestet haben. Das „T-1“ hatte dabe eine hervorragende Alltagstauglichkeit bewiesen. Weite Strecken können mit bis zu 130 Stundenkilometern zurückgelegt werden (mehr hier).

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