Türkei-Wahlen mit Humor: Tierärzte warnen Katzen vor erneuter Sabotage

Der türkische Wahlkampf trägt kurz vor dem Urnengang auch humoristische Züge. In Anlehnung an eine Aussage des türkischen Energieministers, der 2014 Katzen für die Stromausfälle am Wahlabend verantwortlich machte, melden sich nun türkische Tierärzte zu Wort. Die Samtpfoten sollten diese doch 2015 bitte stillhalten.

Werden türkische Katzen auch diesmal in die Wahlen eingreifen? (Foto: Flickr/ My cat! by Nikos Koutoulas CC BY 2.0)

Werden türkische Katzen auch diesmal in die Wahlen eingreifen? (Foto: Flickr/ My cat! by Nikos Koutoulas CC BY 2.0)

Türkische Katzen, die im vergangenen Jahr beschuldigt wurden, die Kommunalwahlen zu sabotieren, haben jetzt eine ernste Warnung vor einer Wiederholung ihres frechen Verhaltens erhalten. Den mahnenden Zeigefinger erhoben Menschen, die ihnen sehr vertraut sind: Die Tierärzte.

Wir warnen unsere Katzenfreunde: Bleiben Sie weg von Stromverteilungseinheiten. Sonst werden wir unsere freundliche Beziehung mit Ihnen überdenken“, so die Istanbuler Tierärztekammer in einer am 3. Juni veröffentlichten Erklärung augenzwinkernd. „Wir haben diesen Beruf gewählt, weil wir Euch lieben.“ Es sei ganz gleich, ob sie Streuner oder Hauskatzen wären. „Trotzdem müssen wir Euch warnen: Tut nichts, was die Behörden in Schwierigkeiten bringt, indem ihr zum Beispiel einen Stromausfall herbeiführt. (…)Bleib einfach weg von Stromverteilungseinheiten“, zitiert sie die türkische Zeitung Hürriyet.

Der türkische Energieminister machte sich im Frühjahr 2014 zum Gespött in den Sozialen Medien. Der Grund: Er präsentierte für die Stromausfälle in gut 40 Städten am Wahlabend eine skurrile Erklärung. Eine Katze habe Schuld an der ganzen Angelegenheit. Sie sei in einen Trafo gelaufen. Die User reagierten entsprechend – mit Humor (mehr hier).

Die schon seit Jahren allgegenwärtigen Katzen im Internet sind in der Türkei spätestens mit dieser Geschichte zu einem regelrechten politischen Maskottchen avanciert. Dabei wirkte Taner Yildiz durchaus überzeugend, als er erklärte:

„Ich scherze nicht, meine Freunde. Eine Katze ist in eine Stromverteilungseinheit geraten. Das war die Ursache für den Stromausfall [in Ankara] und es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert ist. Es ist falsch, hier einen Zusammenhang mit den Wahlen herzustellen. Es ist falsch, hier von Foulspiel zu sprechen. Diejenigen, die die Wahlen verloren haben, sollten Stromausfälle nicht als Entschuldigung für ihre Niederlage heranziehen.“

Die Wahlen wurden damals weithin als ein Vertrauensvotum in der Türkei für die regierende AKP betrachtet, die 45,6 Prozent der Stimmen bekam. Die CHP, die nächstgelegene Oppositionspartei, erhielt 27,9 Prozent der Stimmen. Viele Anhänger glaubten jedoch an Manipulation. Es kam zu heftigen Protesten, die die Polizei mit Wasserwerfern zerstreuen musste (mehr hier).

Online formierte sich hingegen eine weitaus friedlichere Bewegung. Hashtags wie #kedilobisi bzw. #catlobby avancierten zu einem weltweiten Trend, unzählige lustige Fotos und Videos inklusive.

 

Auch die Medien rätselten. Hatte sich der Energieminister hier einen Aprilscherz erlaubt? Immerhin: Bevor die Katze herhalten musste, hatte es Taner Yildiz offenbar auf das Wetter abgesehen.

„Vor allem in den östlichen Mittelmeer-Städten Mersin, Adana und Gaziantep, gab es einen Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 75 km/h. Auf der anderen Seite gab es starken Schnee im ostanatolischen Erzurum und Städten wie Ardahan. Diese Wetterbedingungen verursachten einige lokale Stromausfälle, die keinen Einfluss auf die Stimmenauszählung hatten.“

Zuletzt ist in der Türkei Ende März dieses Jahres in insgesamt 20 Städten der Strom ausgefallen (mehr hier).

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