Sieben Gründe, warum die Türkei-Wahl für Europa wichtig ist

Die anstehenden Parlamentswahlen sind nicht nur für die türkischen Bürger im In- und Ausland relevant. Der Wahlausgang entscheidet auch über zukünftige Beziehungen der Türkei zu Deutschland und Europa. Ein Machtzuwachs Erdoğans könnte dazu führen, dass sich beide Seiten noch weiter entfremden und sich die Türkei abwendet.

Die Parlamentswahlen am 7. Juni haben nicht nur Auswirkungen auf die Türkei. (Foto: Flickr/ Istanbul by Moyan Brenn CC BY 2.0)

Die Parlamentswahlen am 7. Juni haben nicht nur Auswirkungen auf die Türkei. (Foto: Flickr/ Istanbul by Moyan Brenn CC BY 2.0)

Die Türkei ist Kandidat für einen EU-Beitritt und Mitglied der Nato, sie ist wichtiger Handelspartner und beliebtes Urlaubsziel. Nicht zuletzt leben fast drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland. Die Parlamentswahl am 7. Juni in der Türkei könnte einen weiteren Machtzuwachs von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan zur Folge haben, so die dpa. Sieben Gründe, warum die Wahl auch für Europa und Deutschland wichtig ist:

1. Das Verhältnis zwischen dem Beitrittskandidaten Türkei und der EU (und dort besonders Deutschland) hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Ein Machtzuwachs Erdoğans könnte dazu führen, dass sich beide Seiten noch weiter entfremden und sich die Türkei von Europa abwendet. Schon jetzt beteiligt sich die Türkei nicht an den Sanktionen gegen Russland – stattdessen baut sie die Zusammenarbeit mit Moskau etwa im Energiesektor aus.

2. Auch zwischen der Nato und dem Mitglied Türkei ist das Verhältnis belastet. Dennoch bleibt die Türkei ein wichtiger Bündnispartner, der Unterstützung für schwierige internationale Einsätze wie den in Afghanistan leistet. Allerdings gilt auch hier, dass eine weitere Entfremdung droht, sollte Erdoğan noch mehr Macht anhäufen.

3. Die Türkei ist Frontstaat im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. Auf der syrischen Seite der Grenze steht die Terrormiliz Islamischer Staat. Westliche Länder wünschen sich mehr Unterstützung Ankaras im Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak. Eine befürchtete zunehmende Islamisierung der Türkei könnte das Gegenteil bewirken.

4. Die Türkei ist Aufnahmeland für knapp 1,8 Millionen syrische Flüchtlinge. Ohne die international gelobte türkische Hilfsbereitschaft wäre der Ansturm auf Europa ungleich höher.

5. In Deutschland leben knapp 2,8 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln, rund die Hälfte davon ist bei der Parlamentswahl in der Türkei wahlberechtigt. Dass gesellschaftliche Konflikte in der Türkei auch auf Deutschland ausstrahlen, zeigen beispielsweise Zusammenstöße bei Auftritten Erdoğans in der Bundesrepublik.

6. Die Türkei ist ein bedeutender Wirtschaftspartner. Zwar gehört sie nicht zu den größten Außenhandelspartnern Deutschlands, liegt aber mit einem Umsatz von knapp 33 Milliarden Euro immerhin auf Rang 17.

7. Die Türkei gehört zu den beliebtesten Urlaubsländern der Deutschen. Nur in Spanien, Italien und Österreich verbrachten im vergangenen Jahr mehr Bundesbürger ihren Urlaub. Eine zunehmende Islamisierung – oder auch erneute Unruhen wie bei den regierungskritischen Gezi-Protesten im Sommer 2013 – könnte zu Abstrichen bei der Beliebtheit führen.

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