„Hoffnung für die Zukunft“: Mehr als eine Million junge Türken wählen am Sonntag zum ersten Mal

Für rund eine Million Türken ist der 7. Juni ein ganz besonderer Termin. Sie sind zu diesem Zeitpunkt gerade 18 Jahre alt geworden und dürfen nun das erste Mal in ihrem Leben zur Wahlurne schreiten. Für die politischen Parteien hat ihr Urteil immenses Gewicht. Schließlich bestimmt die junge Generation über die Zukunft des Landes.

Insgesamt rund 1,1 Millionen jungen Leuten im In- und Ausland steht am kommenden Sonntag die Wahl-Premiere bevor. 56.066 der neuen Wähler sind registrierte türkische Staatsbürger, die im Ausland leben. Gut eine Million haben ihren Wohnsitz in der Türkei. Ihre Stimme könnte das Zünglein an der Waage sein.

Bereits bei den türkischen Präsidentschaftswahlen im August 2014 betrug die Zahl der Erstwähler rund eine Million. Am 7. Juni dieses Jahres ist ihre Zahl noch einmal ein wenig nach oben geklettert. Insgesamt werden bei den anstehenden Parlamentswahlen 56,6 Millionen Wähler zur Urne gebeten. 2,9 Millionen sind im Ausland registriert (mehr hier). Insgesamt hat sich die Anzahl der Wahlberechtigten seit den letzten Parlamentswahlen im Jahr 2011 um 3,8 Millionen Wähler erhöht, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Die türkischen Parteien wissen um die Macht ihrer jungen Wähler. Nicht ohne Grund verfasste der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu einen Brief an die türkischen Jugendlichen, in dem er ihnen bewusst machte, welchen Einfluss sie auf das Ergebnis am kommenden Sonntag. Seiner Ansicht nach läge es in ihrer Hand, über die künftige „Farbe und Identität der Türkei“ zu entscheiden.

Prof. Özer Sencar, Leiter des Metropoll Strategic and Social Research Center, sieht das ähnlich. Ihm zufolge würden die jungen Leute, die in ein paar Tagen zum ersten Mal ihre Stimmen abgäben, darüber entscheiden, wer für sie im Einklang mit ihrer „Hoffnung für die Zukunft“ stünde. Einen Job zu finden ist für sie sehr wichtig. Laut den aktuellen Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung [OECD] sind 30 Prozent der Jugendlichen arbeitslos. Abgesehen von der Hoffnung für die Zukunft, werden also auch die jüngsten Entwicklungen in den vergangenen Jahren entscheidend für die Wahl der Jugend sein“, so Sencar. Ihm zufolge seien die jungen Erstwähler im Moment in ihrer Gesamtheit noch etwas unentschlossener als die übrigen Wähler. Wirtschaftliche Themen seien für sie sehr relevant. Darüber hinaus spielten aber auch alle Bereiche, die mit Demokratie zusammenhingen eine große Rolle für sie.

Türken in Deutschland haben sich deutlich stärker an der Parlamentswahl in ihrem Herkunftsland beteiligt als an der Präsidentenwahl im vergangenen Jahr. 482 530 der 1 405 008 Wahlberechtigten in Deutschland hätten bis zum Ende der Frist am Sonntag ihre Stimme in der Bundesrepublik abgegeben, teilte die Auslandsabteilung der Obersten Wahlbehörde in Ankara am Montag auf Anfrage mit. Das entspricht einer Quote von 34,3 Prozent.

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