Arbeitssicherheit in der Türkei: Jeder dritte Arbeitsplatz fällt durch

Katastrophen wie das Minenunglück von Soma haben die türkischen Behörden aufgerüttelt. Die Zahl der Inspektionen ist deutlich gestiegen. Damit wurde aber auch offenbar. Fast ein Drittel der untersuchten Arbeitsplätze hielten die Arbeitssicherheits- und Arbeitshygienevorschriften nicht ein. Um das Leben er Arbeiter zu schützen hilft nur eines: Ein Mentalitätswandel.

Im Durchschnitt sterben vier Menschen pro Tag in der Türkei bei einem Arbeitsunfall und weitere fünf erleiden Verletzungen. (Foto: Flickr/ Building Site by IvanWalsh.com CC BY 2.0)

Im Durchschnitt sterben vier Menschen pro Tag in der Türkei bei einem Arbeitsunfall und weitere fünf erleiden Verletzungen. (Foto: Flickr/ Building Site by IvanWalsh.com CC BY 2.0)

Für die türkische Arbeitssicherheit war 2014 ein schwarzes Jahr. Das Land erlebte gleich mehrere schwere Unfälle, die um die Welt gingen. Allein zwei Grubenunglücke in Soma und Ermenek töteten 319 Menschen. Im September dann die nächste Katastrophe: Auf einer Baustelle in Istanbul sterben zehn Arbeiter, als ein Aufzug zu Boden rast. Ohne Zweifel: Bergbau und die Bauindustrie gehören in der Türkei zu den riskantesten Arbeitsfeldern. Die Behörden sind alarmiert, Inspektionen häufen sich. Die Ergebnisse sind jedoch fatal.

Wie die türkische Zeitung Sabah unter Bezug auf ihre Kollegen von Habertürk berichten, seien die Inspektionen im Jahr 2014 um satte 62 Prozent gestiegen. Insgesamt seien demnach 14.174 Arbeitsplätze auf Arbeitssicherheit hin untersucht. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 waren es nur rund 8000. Untersuchungen aufgrund von Arbeitssicherheitsverletzungen habe es im gleichen Jahr in 526 Unternehmen gegeben. 2014 habe das mit 4.045 schon deutlich anders ausgesehen. Das Ergebnis ist jedoch erschreckend: „ Insgesamt 28 Prozent der Arbeitsplätze hielten die Arbeitssicherheits- und Arbeitshygienevorschriften nicht ein.

Neben den regulären Kontrollen habe es außerdem Inspektionen des Arbeits- und Sozialministeriums gegeben, die in der Regel nach einem Arbeitsunfall stattgefunden hätten. Insgesamt seien rund 31,78 Millionen Dollar an Geldbußen verhängt worden. Das Gros sei aufgrund von Mängeln in der Arbeitssicherheit ausgesprochen worden.

Die Crux: Eigentlich verfügt die Türkei über ein hohes Maß an Arbeitssicherheit gemäß den internationalen Richtlinien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Doch Unternehmen, die das Thema Sicherheit ignorierten, sei auch mit empfindlichen Strafen nicht beizukommen, so das Blatt weiter. Von wesentlicher Bedeutung sei vielmehr eine Änderung der Einstellung in den Firmen. Nur so ließen sich kostspielige Sicherheitsmaßnahmen umsetzen und nur so würden man den Arbeitern helfen, die bislang ohne die nötigen Sicherheitsvorkehrungen arbeiten müssten.

Im Durchschnitt sterben vier Menschen pro Tag in der Türkei bei einem Arbeitsunfall und weitere fünf erleiden Verletzungen. Wie Serhat Ayrım, stellvertretender Staatssekretär im Arbeits- und Sozialministerium, kürzlich mitteilte, gäbe es etwa 524 Arbeitsunfälle im Land pro Tag.

In diesem Jahr verabschiedete das Parlament nun ein Gesetz verabschiedet, das die Rechte der Arbeitnehmer im Hinblick auf die Arbeitssicherheit erhöht. Der Gesetzentwurf reduziert die Arbeitszeiten der Bergleute und sieht auf der anderen Seite schwerere Strafen für Unternehmen vor, die Arbeitssicherheitsstandards nicht einhalten. Erhöht wurden außerden Geldstrafen für das Fehlen von Sicherheitsausrüstungen an gefährlichen Arbeitsplätzen wie Minen und Baustellen. Ein Arbeitsschutzgesetz gibt es in der Türkei bereits seit 2012. Vorbildliche Arbeitgeber können in der Türkei sogar mit einer Belohung rechnen, etwa in Form von Steuervergünstigungen. Anreiz genug scheint das aber derzeit offenbar nicht.

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