Türkische Architektenkammer: Präsidentenpalast sollte nach diesem Wahlausgang sofort geräumt werden

Die Ergebnisse der türkischen Parlamentswahlen sollten nach Ansicht einer hiesigen NGO auch Konsequenzen für den Präsidenten haben. Die Mitglieder fordern nach dem Stimmverlust die sofortige Räumung des Weißen Palastes. Das Volk hätte an der Urne klar zu verstehen gegeben, was es von einem solchen Gebaren halte.

Die Wahlergebnisse zeigten, dass die türkische Nation nicht mit dem luxuriösen und protzige Leben im Innern einverstanden sei. (Screenshot via Youtube)

Die Wahlergebnisse zeigten, dass die türkische Nation nicht mit dem luxuriösen und protzige Leben im Innern einverstanden sei. (Screenshot via Youtube)

Bereits vor den Parlamentswahlen geriet der türkische Präsidentenpalast immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Der 1150-Zimmer große Protzbau kostete fast eine halbe Milliarde Euro und wurde nicht nur einmal als Zeichen dafür interpretiert, wie sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan gern betrachtet wüsste. Kurz nach den Präsidentschaftswahlen meldet sich nun die Architektenkammer von Ankara zu Wort. Sie fordert: Der Palast müsse angesichts des Wahlausgangs sofort geräumt werden.

Nach Ansicht der Architektenkammer hätte der Verlust der parlamentarischen Mehrheit der AKP auch die Rechtswidrigkeit des umstrittenen Palastes untermauert. „Unsere Nation hat mit diesem Wahlergebnis demonstriert, dass der Palast im Grunde illegal ist“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet.

Das Gebäude sei nicht nur unter Verletzung geltenden Rechts, sondern auch gegen den letzten Willen von Republikgründer Atatürk auf dem Areal des Atatürk Orman Çiftliği (AOÇ) errichtet worden. Dieser habe das Grundstück dem Volk von Ankara vermacht. Gemeinsam mit fünf weiteren Berufsverbänden hatte die Architektenkammer bereits  Ende vergangenen Jahres Klage dagegen erhoben. Obendrein zeigten die Wahlergebnisse, dass die türkische Nation nicht mit dem luxuriösen und protzige Leben im Innern einverstanden sei.

Zuletzt hagelte es Ende Mai dieses Jahres eine Schlappe für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan: Das oberste türkische Verwaltungsgericht hatte seinen neuen Palast für illegal erklärt. Die Architektenkammer in Ankara hatte geklagt, weil der Prachtbau mitten in einem Naturschutzgebiet liegt (mehr hier). Doch weit schwerer, als solche Urteile wiege nun der Urnengang des Volkes, so Vorsitzende der Architektenkammer in Ankara, Tezcan Karakuş Candan. Die Bewohner dieses illegalen Palastes müssten sofort verschwinden.

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