HDP-Abgeordnete droht kurdischen Dorfschützern mit Krieg

Die HDP-Abgeordnete Burcu Özkan hat auf einer Kundgebung eine direkte Kriegserklärung an die kurdischen Dorfschützer gerichtet. Özkan machte deutlich, dass die PKK bereit sei für den bewaffneten Kampf. Die kurdischen Dorfschützer kämpfen seit Jahrzehnten auf der Seite des türkischen Staats gegen die PKK.

Die HDP-Abgeordnete droht den kurdischen Dorfschützern mit Krieg. (Screenshot)

Die HDP-Abgeordnete droht den kurdischen Dorfschützern mit Krieg. (Screenshot)

Die HDP-Abgeordnete Burcu Özkan hat am Montag bei einer Rede in der türkischen Stadt Muş eine Kriegsdrohung an die kurdischen Dorfschützer gerichtet. Die kurdischen Dorfschützer sind bewaffnete Personen, die über Jahrzehnte auf Seiten des Staats gegen die PKK gekämpft hatten.

Die Zeitung Bugün zitiert Özkan: „Ihr werden aus diesem Land (Anm.d.Red. Südosten der Türkei) abhauen. Wir wissen nur zu genau, wie wir jene Kalaschnikows, die ihr gegen uns richtet, gegen euch drehen werden.“

Die kurdischen Dorfschützer nehmen die Drohung ernst. Der türkisch-kurdische Vorsitzende des Dorfschützer-Vereins „Anadolu Köy Korucuları ve Şehit Aileleri Derneği“ , Ziya Sözen, reagierte besonders wütend auf die Aussage der HDP-Politikerin. „Dieses Land ist nicht im Besitz der HDP. Niemand hat das Recht, die Dorfschützer und ihre Familien aus diesem Land zu vertreiben. Wir werden auch künftig hier leben. Jeder, der das Gegenteil behauptet, wird eine entsprechende Antwort erhalten“, zitiert das Nachrichtenportal Mynet Sözen.

Nachdem Özkan gemerkt hat, dass sie einer Welle der Empörung in den Reihen der türkischen Kurden ausgesetzt ist, soll sie sich nach Angaben der Nachrichtenagentur entschuldigt haben.

Über Jahrzehnte hat der türkische Staat die Dorfschützer mit Waffen und Geld versorgt, um sie gegen die PKK zu unterstützen. Doch sie möchten die Waffen nicht niederlegen, solange auch die PKK bewaffnet herumläuft. Denn die Dorfschützer fürchten die Blutrache der PKK. „Der Staat und die PKK versöhnen sich. Doch was wird mit uns? Bevor die PKK ihre Waffen nicht niederlegt, werden wir unsere Waffen ebenfalls nicht niederlegen“, zitiert die Hürriyet den Führer eines Kampfverbands der Dorfschützer aus Mardin, Fikret Aslan.

Zahlreiche Familien erhalten Morddrohungen. Deshalb habe jeder seiner Angehörigen und Männer immer eine Waffe bei sich. „Die Bevölkerung in unserer Gegend ist gegen uns. Wir können uns nicht frei bewegen, weil wir als Verräter angesehen werden. Ich habe große Angst, dass meine Kinder entführt und getötet werden“, so Aslan.

21 Jahre seines Lebens habe er im Kampf gegen die PKK aufgeopfert. Hätte es diesen Konflikt nicht gegeben, wäre Aslan Geschäftsmann geworden. Nun fürchte er, dass er und alle anderen Dorfschützer im Zuge des Friedensprozesses nicht mehr beachtet und unterstützt werden. Doch Aslan betont auch, dass er sich nichts mehr wünsche als Frieden. „Auch ich möchte endlich schlafen können, ohne die ständige Gefahr im Nacken zu spüren“, meint er.

In der Türkei stehen derzeit 45.181 Dorfschützer unter Waffen. Jeder von ihnen erhält pro Monat ein Gehalt in Höhe von 305,60 Euro, eine Beteiligungs-Prämie an Militäroperationen in Höhe von 10,57 Euro und einen zusätzlichen monatlichen Zuschuss in Höhe von 32,51 Euro. Pensionierte Dorfschützer erhalten einen monatlichen Betrag zwischen 147 bis 226 Euro. Dies geht aus den offiziellen Aussagen des türkischen Innenministers İdris Naim Şahin hervor. In den vergangenen 30 Jahren hat der PKK-Krieg die Türkei rund 300 Milliarden US-Dollar gekostet.

 

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