Einsatz für türkisch-islamische Gemeinde: Kommunalpolitiker in Oberbayern erhält Morddrohung

Ein Grünen-Politiker in Bayern hat Partei für die Muslime in seiner Gemeinde ergriffen, die am Wochenende eine Moschee eröffnen wollen. Nun wird er im Internet massiv beleidigt. Es gab sogar Morddrohungen.

Wegen seines Engagements für die türkisch-islamische Gemeinde im Ort hat ein Kommunalpolitiker in Oberbayern Morddrohungen erhalten. In Pfaffenhofen a.d. Ilm soll an diesem Samstag eine Moschee eröffnet werden. Roland Dörfler (Grüne), dritter Bürgermeister des Ortes, hatte sich gegen eine Kundgebung von Islamgegnern gewandt, die gegen die Eröffnung protestieren wollen.

Die Polizei bestätigte am Mittwoch Berichte des „Donaukuriers“ und des Bayerischen Rundfunks, wonach der Kommunalpolitiker mehrere anonyme Mails mit Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen erhielt, so die dpa. Dörfler, der Strafantrag gegen Unbekannt stellte, geht nach eigenem Bekunden gelassen mit der Bedrohung um. „Weder lasse ich mich einschüchtern, noch mir den Mund verbieten“, sagte er der Zeitung.

Zuvor hatte Dörfler im Gespräch mit dem Donaukurier angekündigt, dass den Islamgegnern der „Saft abgedreht“ würde, sollten sie sich nicht an die Auflagen halten. Die Reaktion folgte auf dem Fuße, wie das Blatt weiter schreibt: „Daraufhin hat nun der Münchener Islamkritiker Michael Stürzenberger, dessen rechtspopulistische Kleinstpartei ‚Die Freiheit‘ die Kundgebung angemeldet hat, auf einer einschlägigen, islamfeindlichen Internetseite einen Text über den Moscheebau in Pfaffenhofen und Dörflers Äußerungen veröffentlicht – und in diesem Zuge auch die E-Mail-Adresse des Bürgermeisters genannt.“ Seither würde der Pfaffenhofener Grünen-Politiker mit Beleidigungen und Bedrohungen aus dem Internet regelrecht überschwemmt.  Der Staatsschutz habe sich inzwischen ebenfalls gemeldet.

Aus Pfaffenhofen a.d. Ilm habe es keine Nachrichten an den Politiker gegeben. Im Gegenteil:  „Zahlreiche Pfaffenhofener Kommunalpolitiker haben sich bereits mit Roland Dörfler solidarisiert. Auf die Kundgebung der Islamgegner am Samstag will das Pfaffenhofener ‚Bündnis gegen Rechts‘ mit einer Menschenkette reagieren“, so der Donaukurier abschließend.

Als Reaktion auf die Morddrohungen habe Pfaffenhofens erster Bürgermeister Thomas Herker dazu aufgerufen, deutlich Position gegen die Moscheekritiker zu beziehen, berichtet auch der BR. Per Facebook habe Herker die Bürger aufgefordert, das Bündnis „Pfaffenhofen gegen Rechts – Bürger für Toleranz“ zu unterstützen und am Samstag an der Gegen-Demo teilzunehmen – unter dem Motto „Pfaffenhofen ist bunt.“

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