Gezi Park-Urteil: Polizist muss 600 Bäume pflanzen

Ein türkisches Gericht hat einen Polizisten zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem muss der Polizist 600 Bäume pflanzen. Er hatte während der Gezi-Park-Proteste die berühmte „Frau in Rot“ - Ceyda Sungur - grundlos mit Tränengas besprüht.

Die „Frau in Rot“ während der Gezi-Park-Proteste. (Foto: occupygezipics.tumblr.com)

Die „Frau in Rot“ während der Gezi-Park-Proteste. (Foto: occupygezipics.tumblr.com)

Das Foto mit der „Frau in Rot“ – Ceyda Sungur – wurde zum Symbol der Gezi-Proteste in der Türkei. Nun wurde ein Polizist, der der Frau im roten Kleid Tränengas ins Gesicht gesprüht hatte, zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, wie die Nachrichtenagentur DHA mitteilte. Der Polizist müsse außerdem 600 Bäume pflanzen.

Die Gezi-Proteste richteten sich zunächst gegen die Bebauung des Parks im Zentrum Istanbuls. Die Demonstrationen weiteten sich zu landesweiten Protesten aus. Sie richteten sich gegen die AKP-Regierung und ihrem damaligen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Erdoğan ist seit August vergangenen Jahres Staatspräsident.

Das tragische an den Gezi-Protesten war: Die jungen weltoffenen und zugleich patriotischen jungen Türken, die in den türkischen Großstädten demonstrierten, haben Erdoğan über Jahre hinweg unterstützt. Er repräsentierte wie kein anderer Aufbruch, Aufstieg und Erneuerung. Doch Erdoğan hat es verpasst, diesen jungen Menschen zuzuhören. Es hätte gereicht, wenn er sich nur für einen kurzen Moment Zeit genommen hätte.

Die eigentliche Frage ist: Sind die jungen Türken auf die Straße gegangen, weil sie Erdoğan von Anfang an grundlos gehasst haben, oder weil sie von ihm tief enttäuscht wurden?

Auf diese Frage muss jeder selbst eine Antwort finden. Doch enttäuscht wird der Mensch immer von jenen, die ihm am nächsten sind.

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