Erdoğan prangert Neo-Kolonialismus des Westens an

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat bei seiner ersten Rede nach der Türkei-Wahl den „Neo-Kolonialismus“ des Westens in Afrika scharf kritisiert. Deshalb müsse die Türkei global Verantwortung übernehmen und den Betroffenen dieses ungerechten Systems helfen. Zur Kritik des Westens an seiner Person sagt er: „Wenn sie mich loben würden, würde ich an mir selbst zweifeln“.

Unter den Unterstützern Erdoğans finden sich auch viele muslimische Migranten. Sie kommen aus dem Sudan und Somalia und leben in Istanbul. (Screenshot via Facebook)

Unter den Unterstützern Erdoğans finden sich auch viele muslimische Migranten. Sie kommen aus dem Sudan und Somalia und leben in Istanbul. (Screenshot via Facebook)

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan ist am Donnerstag erstmals nach den Wahlen in die Öffentlichkeit getreten und hat eine Rede im ATO Congresium in Ankara gehalten. Im Rahmen seiner Rede wies er auf die politischen Unterschiede zwischen Europa und der Türkei hin. Haberturk zitiert ihn:

„Unser Staat ist wahrscheinlich weltweit der einzige Staat, der zu seinen stärksten Zeiten keine Kolonialpolitik betrieben hat. Unsere Außenpolitik ist darauf ausgerichtet, den Hungernden, Unterdrückten und Schwachen in dieser Welt unsere helfende Hand zu reichen. Unser Land und unser Volk haben zu keinem Zeitpunkt die Menschen nach ihrer Hautfarbe oder ihrer Sprache beurteilt oder vorverurteilt.

Der Kolonialismus und die Sklaverei in der Welt laufen unvermindert in einem neuen Gewand weiter. Im Westen werden Lebensmittel in Massen weggeworfen. Mit diesen könnte man die Hungernden in Afrika vollständig satt bekommen. Können wir ein derartiges System akzeptieren? Ist das fair? Wenn man nachts auf den Erdball schaut, wird man sehen, dass es Orte gibt, die vollständig beleuchtet sind. Doch es gibt auch zahlreiche Orte und Gebiete, die in Dunkelheit gehüllt sind. Das ist ein Hinweis darauf, dass auf diesem Erdball etwa nicht in Ordnung ist. Ein System, in dem sechs Milliarden Menschen für den Wohlstand von einer Milliarde Menschen arbeiten müssen, ist dem Untergang geweiht. Der Westen lässt Menschen im Mittelmeer und in der Ägäis ertrinken. Das können wir nicht akzeptieren. Wir übernehmen die Verantwortung, die uns unsere Geographie und unsere Geschichte gegeben hat.“

Nun könnten Extremisten aus dem anti-islamischen-Lager entgegnen und sagen, dass „eine Kolonialisierung Europas durch die Migrantenströme“ stattfinde und nicht andersherum. Das ist zumindest das Hauptargument der Anti-Muslime. Dabei verwechseln diese Menschen: Migration ist etwas anderes als Kolonialisierung. Migration ist ein stetig laufender natürlicher nicht auf Zwang angelegter Prozess, von dem die Staaten und die Migranten profitieren. Doch bei der Kolonialisierung geht es um Diebstahl, Mord, gewaltsame Landnahme und wirtschaftliche Ausbeutung und Entrechtung. Es profitieren nur die Täter.

Der Staatschef sagte bezüglich der scharfen Türkei-Kritiker im Westen:

„Ich lehne all diese hässlichen und aggressiven Angriffe der westlichen Medien gegen meine Person ab. Diese Intoleranz ist mir unverständlich. Doch das zeigt uns eine Sache ganz deutlich: Gott sei Dank, wir sind auf dem richtigen Weg. Wenn sie mich loben würden, würde ich an mir selbst zweifeln.“

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