Bundesregierung leugnet Völkermord an Herero und Nama

Deutschland weigert sich den Völkermord an den Herero und Nama, der im Jahr 1915 stattfand, anzuerkennen. Ein Bundestagsagbeordneter der Linkspartei sagt: „Das war Völkermord. Zunächst im Rahmen eines brutalen Kriegs, dann über Schwerstarbeit und Unterversorgung in Konzentrationslagern“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will vom Völkermord an den Herero und Nama nichts wissen. (Foto: Flickr/ European People's Party - EPP)

Bundeskanzlerin Angela Merkel will vom Völkermord an den Herero und Nama nichts wissen. (Foto: Flickr/ European People’s Party – EPP)

Die deutsche Bundesregierung weigert sich bis heute den vollständig in allen Details aufgeklärten Völkermord an den Herero und Nama anzuerkennen.

Der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Niema Movassat, meldet in einer Mitteilung:

„Den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts verübte das deutsche Kaiserreich an den Herero, Nama, Damara und San. Es ist ein Gebot der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit und längst überfällig, dass Deutschland dies von höchster staatlicher Stelle endlich anerkennt.“

Doch die Bundesregierung sagt, dass zum Zeitpunkt des Völkermords an den Hereros im Jahr 1915 es noch gar keine UN-Völkermordkonvention gegeben hatte, berichtet das Migazin. Deshalb falle der Völkermord an den Herero nicht unter die rechtliche Definition eines Völkermords gemäß der UN-Konvention.

Weiter sagt Movassat:

„Es besteht absolut kein Zweifel daran, dass die „Schutztruppe“ des deutschen Kaiserreichs gegen die Herero und Nama mit dem erklärten Ziel vorging, diese vollständig zu vernichten. Das war Völkermord. Zunächst im Rahmen eines brutalen Kriegs, dann über Schwerstarbeit und Unterversorgung in Konzentrationslagern. Die Vernichtungsbefehle gegen Herero und Nama des deutschen Generals Lothar von Trotha, die dieser im Namen des Deutschen Kaisers aussprach, sind eindeutig.
DIE LINKE wendet sich seit vielen Jahren entschieden gegen eine Zwei-Klassen-Moral. Das unermessliche Leid der Shoa und die an den Armeniern verübten Gräueltaten waren Völkermord. Die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die zuvor an Afrikanern verübt wurden sind ebenso einzustufen. Der 9. Juli 2015 ist der 100. Jahrestag des Endes deutscher Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, das gerade am 25. März 2015 seinen 25. Unabhängigkeitstag feierte. Die Zeit ist Überreif für einen offenen Versöhnungsdialog zwischen Deutschland und Namibia.“

„Die deutsche Kolonialgeschichte in Namibia steht im Mittelpunkt einer Kleinen Anfrage (18/4903) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Die Abgeordneten thematisierten darin die „besonders gravierenden Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen der deutschen Kolonialmacht“ gegen die Gemeinschaften der Nama und Herero zwischen 1904 und 1908 – „nach Auffassung von Historikern nach heutigen Maßstäben der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts“, berichtet das Portal des Deutschen Bundestags.

Die Grünen melden: „Die Verbrechen des Kolonialismus sind eines der dunkelsten Kapitel in der deutschen Geschichte, das in der Erinnerungskultur noch immer viel zu wenig Beachtung findet und Gefahr läuft, vergessen zu werden. Nicht zuletzt zeigt sich die mangelnde Aufmerksamkeit für dieses Thema darin, dass die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte in den Schulen so gut wie keinen Raum einnimmt. Das demokratische Deutschland hat aber die moralische Verpflichtung, seine Kolonialgeschichte angemessen aufzuarbeiten.“

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