Mord an Özgecan Aslan: Gleich 1000 Anwälte wollen die tote Studentin vertreten

Nicht weniger als 1.000 Anwälte wollen auch rund vier Monate nach dem Tod der türkischen Studentin Özgecan Aslan ein Zeichen setzen. Sie alle wollen die brutal ermordete 20-Jährige bei der ersten Anhörung vor Gericht am 12. Juni vertreten. Den tatverdächtigen Minibusfahrer erwartet im Falle einer Verurteilung eine lebenslange Haftstrafe.

Das Schicksal der jungen Frau bewegte die Menschen in der gesamten Türkei. Im Netz und auf der Straße gab es Proteste sogar die Politik meldete sich teils mit bizarren Äußerungen zu Wort. Die Leicche der Studentin wurde in einem Flussbett in der Provinz Mersin fand gefunden, zwei Tage, nachdem sie von einem Minibusfahrer am 11. Februar getötet wurde.

Zur ersten Anhörung an diesem Freitag werden gleich mehrere nichtstaatliche Organisationen und Rechtsgruppen erwartet. Obendrein wird derzeit mit dem Erscheinen von rund 1000 Anwälten aus der gesamten Türkei gerechnet, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Nach Angaben des Vorsitzenden der Anwaltskammer von Mersin, Alpay Antmen, hätten bereits 660 Anwälte Zulassungsanträge gestellt. Man gehe jedoch davon aus, dass sich diese Zahl noch deutlich erhöhen werde, so das Blatt weiter. „Es ist unmöglich, alle Anwälte in den Gerichtssaal zu lassen, aber sie werden im Gerichtsgebäude sein. Die Union der türkischen Anwaltsverbandes und seine Kommission für Frauenrecht sowie mehrere Anwaltskammern und Frauenrechtsgruppen werden ebenfalls an der Anhörung teilnehmen“, sagt Antmen.

Ahmet Suphi A., der geständige Minibus-Fahrer, wird vor Gericht zusammen mit seinem Vater, Necmettin A., 50, und sein Freund Fatih G., 20, auftreten. Beide gelten als seine Komplizen und befinden sich ebenfalls in Untersuchungshaft. Der 26-Jährige sagte nach Angaben türkischer Medien aus, er habe versucht die Studentin zu vergewaltigen, nachdem alle Fahrgäste ausgestiegen seien. Als sie sich wehrte, habe er sie getötet. Sein Vater und ein Freund hätten ihm anschließend geholfen, die Leiche zu verbrennen. Nun droht ihnen lebenslange Haft.

Aslans Eltern werden angeblich nicht erwartet. Allerdings soll der Onkel des Opfers Onkel Yaşasın Aslan im Namen der Familie Aslan vor Gericht anwesend sein. Die Gerichtsverhandlung ist für 9:00 Uhr am 12. Juni angesetzt und wird von einer Reihe von Sicherheitsmaßnahmen in der Umgebung begleitet, so die Hürriyet.

Präsident Erdoğan kündigte bereits an, den Prozess persönlich verfolgen zu wollen (mehr hier). Seiner Ansicht nach müssten die drei Täter mit der höchstmöglichen Strafe bedacht werden. Gemeinsam mit seiner Frau Emine sprach er den Hinterbliebenen bereits am 15. Februar telefonisch sein Beileid aus. Die Töchter Sümeyye und Elif reisten nach Mersin, um den Angehörigen dort persönlich beizustehen. „Dies könnte auch unseren Töchtern passieren. Ich wünsche mir, dass der Fall Özgecan eine neue Sensibilität und damit einen Neuanfang bewirkt“, so  Erdoğan. Ebenso kritisch betracchte er Politiker, die aus den aktuellen Ereignissen politisches Kapital schlagen wollten.

Der Fall löste Proteste in der Türkei aus (mehr hier). Frauenorganisationen kritisieren, sexistische Bemerkungen von Erdoğan und der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP begünstigten ein frauenfeindliches Klima. Erdoğan hatte zuvor immer wieder umstrittene Bemerkungen zur Rolle der Frau gemacht. Und auch im Zuge der Proteste machte der Präsident deutlich, welchen Standpunkt er vertritt. Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, habe Erdoğan eine Frauenorganisation scharf dafür kritisiert, dass sie als Protest gegen den Mord an der jungen Frau einen Tanz aufgeführt hätten. Das sei nicht Teil der türkischen Kultur.

Die teilnehmende CHP-Abgeordnete Aylin Nazlıaka wies unterdessen den Vorwurf zurück. Die Aktion sei Teil des One Billion Rising-Events gewesen und keine Veranstaltung in Erinnerung an Özgecan. Dem Präsidenten warf sie überdies Ignoranz vor. „Erdoğan ist die Tatsache geschuldet, dass sich gewalttätige Zwischenfälle gegen Frauen in der Türkei in den vergangenen zwölf Jahrem um 1400 Prozent erhöht haben.
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