Ramadan 2015: Die ersten Fastentage sind am schwersten

Am 18. Juni startet für mehr als eine Milliarde Muslime weltweit der heilige Fastenmonat Ramadan. Bis zum Fastenbrechenfest vom 17. bis 19. Juli heißt es nun, Verzicht zu üben. Doch gerade in den ersten Tagen ist die Umstellung meist schwer.

Am Donnerstag, den 18. Juni, ist es soweit: Einen ganzen Monat lang steht für Muslime auf der ganzen Welt der Verzicht und die Besinnung, aber auch Frieden und Versöhnung im Vordergrund. Bis zum 16. Juli dauert in diesem Jahr der heilige Fastenmonat Ramadan, der vom 17. bis 19. Juli mit dem Ramadanfest endet. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang verzichten die Gläubigen auf Essen, Trinken und andere weltliche Genüsse. Gerade in den ersten Tagen ist das für viele kein leichtes Unterfangen.

Mindestens zweieinhalb Liter Flüssigkeit

Rund 1,3 Milliarden Muslime stellen sich der Pflicht zu fasten. Eine Aufgabe, die zu den fünf Grundpfeilern des Islams gehört. Doch in Anbetracht der Jahreszeit und den hohen Temperaturen dürfte die diesjährige Fastenzeit alles andere als einfach werden. Dringend raten die Fachleute deshalb, während Sahur und Iftar möglichst mindestens zweieinhalb Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Für deutsche Arbeitgeber hat die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) übrigens bereits 2012 einen Wegweiser erstellt (mehr hier).

Auch das türkische Gesundheitsministerium steht den Fastenden in den ersten Tagen mit gut gemeinten Ratschlägen zur Seite. So stellte Dr. Turan Buzgan im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Anadolu heraus, dass eine gesunde Ernährung ein Muss während des Ramadans sei. Vor allem, wenn das Fasten in die Sommermonate falle, stelle das warme Wetter ein erhöhtes Risiko dar nicht nur auszutrocknen, sondern auch Schwierigkeiten mit der Verdauung zu bekommen, wenn die Gläubigen nach Stunden des hungerns schwere Mahlzeiten zu sich nähmen.

Dringend rät Buzgan davon ab, zu fettige, zu salzige und schwere Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Zum Sahur solle es vielmehr ein leichtes Frühstück mit Joghurt und Käse, vielleicht auch einer Suppe und Gemüse geben. Zum Iftar am Abend sollte sich das Schlemmen jedoch auch in Grenzen halten. „Diejenigen, die tagsüber fasten, haben niedrige Blutzuckerwerte, was dazu führt, dass sie zu schnell und zu viel essen wollen.“ Um den Verlust von Vitaminen und Mineralstoffen im Körper auszugleichen, empfiehlt der Mediziner statt Tee lieber ordentlich Wasser zuzuführen.

Kultur und Traditionen des Reiselandes respektieren

Besondere Sensibilität sollten auch Urlauber walten lassen, wenn sie sich in dieser Zeit im islamischen Ausland aufhalten. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes erklärte gegenüber den Deutsch-Türkischen Nachrichten: „Eine pauschale Aussage zu Verhaltensregeln oder möglichen Sanktionen in Zeiten des Ramadans kann hier für alle oder einzelne, islamisch geprägte Länder nicht gemacht werden. Grundsätzlich sollte man als Tourist die Kultur und Traditionen des jeweiligen Reiselandes respektieren und sich vor Reiseantritt gut darüber informieren. Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes sind nur eine der Informationsquellen bei einer anstehenden Auslandsreise. Zusätzliche Informationen erhält man in Reiseführern, beim jeweiligen Reiseveranstalter sowie bei der Botschaft des jeweiligen Reiselandes in Deutschland.“

Welche speziellen Reise- und Sicherheitshinweise für jedes Land bestehen, kann auf der Internetseite des Auswärtigen Amts (www.diplo.de) mit wenigen Klicks nachgeprüft werden. Zur Achtung von Kultur und Traditionen des Reiselandes heißt es zum Beispiel in den Reise- und Sicherheitshinweisen zu Ägypten: „ (…) ist es aber selbstverständlich und wird von allen Gästen des Landes erwartet, dass sie sich den Verhaltensregeln eines islamisch geprägten Landes anpassen und diese respektieren. Die Rücksichtnahme auf die Moralvorstellungen einer islamisch geprägten Gesellschaft beim Aufenthalt in Ägypten ist ein allgemein geltendes Gebot der Achtung, Höflichkeit und des gesunden Menschenverstandes.“ Und für die Vereinigte Arabische Emirate gilt, dass während des Fastenmonats Ramadan „selbst das Kauen von Kaugummi von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auch für Nichtmuslime bei Strafe verboten ist“, „Frauen möglichst dezente, langärmelige Kleidung tragen“ sollten und gewünscht ist, dass „Männer auf das Tragen kurzer Freizeitkleidung verzichten.“

Toleranz und Respekt gegenüber den Fastenden zeigen

Diplom-Betriebswirt Samir L. Iranee, Arabisch-Dozent an der Fachhochschule Frankfurt und Interkultureller Trainer Orient, empfiehlt, „auch als Nicht-Muslim in den islamischen Ländern nicht öffentlich zu rauchen, zu essen oder zu trinken, sich angemessen zu kleiden und sittsam zu benehmen sowie Toleranz und Respekt zu zeigen, so beispielsweise nicht direkt oder öffentlich die, aufgrund des strengen Fastens vor allem im Sommer und manchmal bis oft  eingeschränkte, Arbeitsleistung oder sonstige Einschränkungen zu kritisieren.“ Wer dagegen verstößt, dem könne es passieren, dass er mit Geld- oder sogar Gefängnisstrafen rechnen muss.

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