Verband: Ärzte müssen bei Überstunden mutiger werden

Assistenzärzte, die ihre Überstunden geltend machen wollen, müssen mit Nachteilen rechnen. Sie werden bei Operationen benachteiligt. Ein finanzieller oder Zeitausgleich für die geleisteten Überstunden entfällt oft.

Bis zu 60 Überstunden sammeln Ärzte jeden Monat an, ohne Finanz- oder Freizeitausgleich. (Foto: Flickr/ Doctor Hand by Truthout.org CC BY 2.0)

Bis zu 60 Überstunden sammeln Ärzte jeden Monat an, ohne Finanz- oder Freizeitausgleich. (Foto: Flickr/ Doctor Hand by Truthout.org CC BY 2.0)

Der Hartmannbund – der Verband der Ärzte Deutschlands e.V. – fordert junge Assistenzärzte dazu auf, ihre Überstunden zu dokumentieren. Sie sollen von ihren Vorgesetzten eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Freizeit einfordern.

Denn „Überstunden existieren nicht“, heißt es inoffiziell im Arbeitsalltag der Ärzte und in einem Bericht des Hartmannbundes über das Arbeitszeitenmanagement in deutschen Krankenhäusern. In einer Abstimmungsaktion auf der Webseite des Verbandes haben sich bereits über 1.000 Mediziner für eine objektive Arbeitszeitdokumentation und eine Einhaltung der verbindlichen Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes ausgesprochen.

Das Arbeitszeitgesetz wird regelmäßig mit Aussagen gebrochen wie: „Wer Überstunden erfasst, wird nicht verlängert“, oder: „Wer operieren will, sollte keine Überstunden aufschreiben.“

Bis zu 60 Überstunden sammeln Ärzte jeden Monat an, ohne Finanz- oder Freizeitausgleich. Klaus Reinhardt, Chef des Hartmannbundes, macht den Assistenzärzten Mut: „Angesichts des spürbaren Mangels an jungen Ärztinnen und Ärzten an den Kliniken und vor dem Hintergrund, dass viele Krankenhäuser gerade Assistenzärzte dringend suchen, können und sollten die jungen Kolleginnen und Kollegen heute mutiger sein und ihre Vorstellungen klar formulieren“, sagte Reinhardt der Ärztezeitung in einem Interview.

Es gebe zwar auch Kliniken, in denen eine Arbeitszeiterfassung mit objektiver Dokumentation von Überstunden und finanziellem oder Freizeitausgleich existiere, aber fast jede dritte Klinik in Deutschland schreibt rote Zahlen. Das Geld ist knapp. Es fehlt nicht nur an Ärzten, sondern auch an Pflegekräften und Krankenschwestern.

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