Mutiger österreichischer Türke kämpft gegen die Bilderberger

Erstmals rufen aktive Parlamentarier zum Protest gegen die Bilderberger-Treffen. Mesut Onay von den Tiroler Grünen will nicht einsehen, warum die als privat deklarierte Veranstaltung Millionen an Steuergeldern für den Schutz der Teilnehmer verschlingt. Die Bilderberger sollten selbst für ihre Kosten aufkommen - auch, weil sie sich weigern, der Öffentlichkeit Rechenschaft über ihr Finanzgebaren und den Inhalt ihrer Konferenzen abzulegen.

Mesut Onay von den Innsbrucker Grünen kämpft gegen die Steuerverschwendung bei der Bilderberg-Konferenz im Tiroler Telfs. (Foto: Grüne Innsbruck)

Mesut Onay von den Innsbrucker Grünen kämpft gegen die Steuerverschwendung bei der Bilderberg-Konferenz im Tiroler Telfs. (Foto: Grüne Innsbruck)

Im Tiroler Telfs treffen sich am Wochenende die Bilderberger. Mesut Onay, Gemeinderat der Stadt Innsbruck und Mitbegründer der Bilderberger-Proteste 2015 will sich das Treiben dieser „elitären privaten Runde, ohne demokratische Legitimation (…) und unter Ausschluss und massiver Bewegungseinschränkung der Öffentlichkeit“ nicht tatenlos ansehen. Im Gespräch mit den Deutschen Wirtschafts Nachrichten erläutert der Politiker mit türkischen Wurzeln, warum hier nicht mehr weggesehen werden darf.

„Aus meiner Sicht ist das die höchste Ebene des Lobbyismus. Zu einer Privatveranstaltung kann man sich gerne treffen, aber nicht auf Kosten der Bevölkerung“, so Onay zu der Veranstaltung, dessen Sicherheitskosten die Steuerzahler zwar zahlen dürfen, selbst aber keinen Einblick erhalten. Zusätzlich müsse man sich irgendwann fragen, ob eine Privatveranstaltung auf dieser Ebene überhaupt noch möglich ist. Die Kosten für das Treffen sind enorm. Onays Informationen zufolge müssen die österreichischen Steuerzahler für das Bilderberger-Treffen und den G7-Gipfel eine Summe von voraussichtlich nicht weniger als 5,6 Millionen Euro tragen. Der Hauptanteil komme auf die Bilderbergkonferenz. Versteckte Kosten nicht mit einberechnet. Dabei sei die Frage, wer dafür eigentlich aufkommen müsste, klar. Nach österreichischem Sicherheitspolizeigesetz gilt: „Wenn ein Treffen direkt oder indirekt zum Vorteil der Teilnehmer ausgelegt ist und die Öffentlichkeit ausschließt, sind die Kosten vom Veranstalter zu tragen.“

Doch nicht nur die Kosten stoßen auf Kritik. „Die Menschen kriegen durch die völlig überzogenen Sicherheitsvorkehrungen Angst und fühlen sich ständig beobachtet“, sagt der Grünen-Politiker. Flugsporteinrichtungen müssten nahezu in ganz Tirol ihren Betrieb während dem Treffen einstellen. Der Flugsportverband AEROCLUB habe natürlich Protest eingelegt, aber die hätten ins Leere geführt.

Seinem Unmut Ausdruck verleihen wollen er und seine Mitstreiter an mehreren Stellen. Mehr 20 Organisationen arbeiten mittlerweile zusammen, um vier Tage Veranstaltungen zu ermöglichen. „Wir haben die Abschlussdemonstration am Samstag bewusst im Ortskern von Telfs angemeldet. (…). Es soll ein friedliches Feiern der Forderung nach Demokratie und Transparent mit zahlreichen Künstlern und Musikern werden, (…). Wir erwarten rund 2000 bis 3000 Demonstranten, darunter aber auch Familien und Kinder. Zudem planen wir eine Alternativkonferenz, bei der wir zahlreiche Experten zu Wort kommen lassen.“

Die Botschaft der Demonstranten:

„Offenlegung, Aktivierung und ein solidarisches Zusammenrücken der Menschen. Mehr Transparenz und Vielfalt im ganzen System. Die Bilderberger sind ja nur die Spitze einer Entwicklung, die ich für verkehrt halte. Wir fordern Information und Mitgestaltung als Zukunftsmotor.“  

Mesut Onay, Jahrgang 1977, ist Mitorganisator der Bilderberg-Proteste 2015 und Gemeinderat der Grünen in Innsbruck. Er ist Unternehmer, Akademischer Versicherungskaufmann und Choreograf. Die Grünen stellen in Innsbruck mit Sonja Pitscheider sogar die Vizebürgermeisterin. Der Vater einer kleinen Tochter wurde 1977 als Sohn einer türkischen Buchbinderin und eines kurdischen Lastwagenfahrers in Innsbruck geboren. 2013 war er Organisator und Leiter einer österreichischen BeobachterInnendelegation, die nach Istanbul reiste, um sich vor Ort einen Eindruck der Gezi Park Proteste zu verschaffen.

Hier die Teilnehmer-Liste der Bilderberg-Konferenz.

Mehr auf DWN.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.