Erdoğan sauer: Putin lässt ihn in Baku warten

Die harmonischen Baku-Bilder von Präsident Erdoğan und seinem russischen Amtskollegen Putin täuschen offenbar. Wie jetzt bekannt wurde, hat der Kreml-Chef seinen türkischen Gesprächspartner warten lassen.Dieser soll so verärgert gewesen sein, dass er schon fast gegangen wäre.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan soll sichtlich verärgert gewesen sein, als er gleich mehrere Minuten auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin warten musste. Das will ein leitender Korrespondent der russischen Tageszeitung Kommersant berichtet haben.

Erdoğan und Putin trafen sich am 13. Juni am Rande der Eröffnung der Europäischen Spiele in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. „Das Treffen war im Hotel angesetzt, in dem Erdoğan wohnte. Erdoğan und der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu betraten den Konferenzraum pünktlich. Doch nicht eine Person aus der russischen Delegation war anwesend“, zitiert die türkische Zeitung Hürryiet den KommersantReporter Andrei Kolesnikov.

Kolesnikov zufolge habe Erdoğan einige Minuten gewartet und sei dann im Begriff gewesen, den Saal „mit einem mürrischen Gesicht“ zu verlassen, als der russische Außenminister Sergej Lawrow ankam und den Tag so offenbar rettete. Wie der Reporter herausgefunden haben will, soll Putin selbst zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal sein Hotel verlassen haben. Er vermutet, dass das der Grund für Erdoğans Verärgerung gewesen sei.

Putin hat bereits in der Vergangenheit zugegeben, dass eine seiner schlechten Gewohnheiten darin bestehe, erst spät zu Terminen zu erscheinen. Warten musste unter anderem auch Papst Franziskus in der vergangenen Woche. Und das über eine Stunde. Im Jahr 2012 schoss er jedoch den Vogel ab, als er den ukrainischen Präsident Viktor Janukowitsch vier Stunden stehen ließ.

Kremlchef Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatten anlässlich dieses Termins die Planung des großen Pipeline-Projekts Turkish Stream fortgesetzt. Mit Turkish Stream will Russland ab Ende 2016 jährlich bis zu 63 Milliarden Kubikmeter Gas durch das Schwarze Meer in die Türkei leiten (mehr hier). Von dort plant Russland, große Mengen über Griechenland nach Südosteuropa zu liefern, um damit die Ukraine als Transitland in die EU zu umgehen. Eine Zustimmung Griechenlands steht noch aus.

In EU-Kreisen wird das Gas-Projekt als politischer Vorstoß des Kremls gesehen, um die Ukraine als Transitland für Energieträger zu schwächen und die EU-Abhängigkeit von Russland voranzutreiben. Derzeit bezieht die EU ein Drittel ihres Erdgases aus Russland. Die Hälfte davon fließt durch die Ukraine.

Für die Türkei hat die TANAP im Vergleich zum russischen Turkish Stream Priorität, auch in Bezug auf die eigenen wirtschaftlichen Interessen. Das Projekt wird ungefähr neun Milliarden Euro kosten und bei voller Auslastung alleine 31 Milliarden Kubikmeter Erdgas in die Türkei liefern, so DW. (mehr hier)

Der Kampf um den europäischen Energiemarkt ist jedenfalls voll im Gange. Die US-Regierung will die europäischen Staaten von der Energieabhängigkeit Moskaus lösen. Wer darin eine Hilfestellung der Amerikaner sieht, der täuscht sich. Stattdessen sollen US-Konzerne die Energie-Sicherheit Europas garantieren. US-Unternehmen sollen in den Fracking- und Kernkraftmarkt Europas dringen, um die russischen Energie-Konzerne zu verdrängen.

Mehr zum Thema:

Turkish Stream: Putin und Erdoğan setzen Planung fort
Nach der Türkei-Wahl: Ist jetzt das Pipelineprojekt Turkish Stream in Gefahr?
Baubeginn bei TANAP: Türkei positioniert sich als europäische Energiedrehscheibe

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.