Türkisch auf dem Vormarsch: Australische Schulen bieten ab 2016 Sprachkurse an

Australische Schulen sind ab 2016 um ein Unterrichtsfach reicher. Gemäß einem bereits im Jahr 2011 geschlossenen Abkommen, wird dann Türkisch angeboten. Die 60.000-köpfige türkische Gemeinschaft des Landes hatte sich intensiv um diesen Schritt bemüht.

Integration auf Australisch heißt Akzeptanz und Wertschätzung anderer Kulturen. (Foto: Flickr/ Small boy Rundle Mall Adelaide by Les Haines CC BY 2.0)

Integration auf Australisch heißt Akzeptanz und Wertschätzung anderer Kulturen. (Foto: Flickr/ Small boy Rundle Mall Adelaide by Les Haines CC BY 2.0)

In Australien haben die Vorbereitungen begonnen, Türkisch ab dem Jahr 2016 als Teil des nationalen Lehrplans in den Stundenplan aufzunehmen. Damit erweitert sich das Sprachportfolio, aus dem die Schüler an öffentlichen Schulen im ganzen Land wählen können. Neben Chinesisch, Italienisch, Arabisch, Französisch, Deutsch, Hindu, Indonesisch, Japanisch, Koreanisch, Griechisch, Spanisch und Vietnamesisch gibt es dann auch Türkisch.

Die Grundlage für diesen Schritt hat die 60.000-köpfige türkische Community bereits 2011 gelegt. Damals erzielten sie ein Abkommen, dass Türkisch für die hiesigen Schulen vorsieht, so die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Der Präsident der türkischen Lehrervereinigung im Bundesstaat Victoria, Yasar Duyal, bezeichnete diese Entscheidung erst jüngst als „sehr wichtig für Schüler als auch für die Zukunft der türkischen Gemeinde“. „Tatsächlich ende die Arbeit hiermit aber nicht. Sie beginnt“, so Duyal. Er hoffe, dass der Türkisch-Unterricht an den australischen Schulen auch das Profil der Türken im Land schärfen würden.

Ab 2016 wird die Sprache für Schüler der ersten Klasse der Grundschule bis zur ersten Klasse der High School-Ebene angeboten werden. Für die Türken im Land sei das von immenser Bedeutung. Duyal hoffe jedoch, dass das Angebot nicht nur von Schülern mit türkischer Herkunft wahrgenommen werde, so Anadolu weiter. „Wenn wir die Sprache nicht schützen, wenn wir sie nicht unsere Kinder lehren, was wird dann in der Zukunft passieren? Wir würden die türkische Sprache und unsere Identität verlieren.“

Multikulturalismus ist in Australien ein erfolgreiches Konzept. Auch Australien hat in den 1960er Jahren ein Anwerbeabkommen vereinbart, das die Arbeitsmigration regelte. Während die Einheimischen in Deutschland häufig negative Assoziationen mit türkischen Mitbürgern haben, sieht das in Australien offenbar anders aus. Eine Umfrage unter australischen Passanten ergab im Jahr 2012, dass sie ihre türkischen Mitbürger vor allem mit den Eigenschaften „freundlich“, „höflich“, „leckeres Essen“, „religiös“ und „schöne Flagge“ assoziieren.

In Australien ist es bereits in den Anfangsjahren der Migration möglich gewesen, einen australischen Pass zu beantragen. Vor diesem Hintergrund haben die Türken in Australien schneller Firmen gründen, am politischen Leben teilnehmen und ein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln können. Liam Morgan von der Technischen Universität in Sydney stellte im Rahmen einer dreiteiligen Radioreihe zum Thema fest, dass in Australien weniger Integrationsdruck auf Migranten ausgeübt werde als in Deutschland.

„Australien betrachtet Einwanderung seit Ende des Zweiten Weltkriegs als lebensnotwendig“, stellt auch Annett Klinzmann in einem aktuellen Beitrag für das Migazin fest. Wirtschaftliche Entwicklung und die Verbesserung der militärischen Position könnten nur durch Bevölkerungszuwachs erreicht werden. In ihrem Beitrag beleuchtet sie das Erfolgsrezept des Adult Migrant English Program (AMEP) und schreibt am Ende: „Integration auf Australisch heißt (..) Akzeptanz und Wertschätzung anderer Kulturen bei gleichzeitiger Förderung der Landessprache. Das eine, so zeigt das Beispiel Australien, schließt das andere nicht aus.“

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