Türkei: Industrieverband TÜSIAD will neue Regierung bestimmen

Der größte Unternehmer-Verband der Türkei, TÜSIAD, hat am Dienstag die Chefs der CHP und MHP besucht, um diesen ihre politischen Präferenzen für eine neue Regierung mitzuteilen. Der Verband hatte in der Vergangenheit alle Militär-Putsche unterstützt. Als sicher gilt: TÜSIAD will Erdoğans Einfluss auf die AKP brechen.

Der türkische Vertreter der internationalen Finanz-Eliten, Kemal Derviş, soll Wirtschaftsminister werden. So lautet jedenfalls der Wunsch des Unternehmerverbands TÜSIAD. (Screenshot via Youtube)

Der türkische Vertreter der internationalen Finanz-Eliten, Kemal Derviş, soll Wirtschaftsminister werden. So lautet jedenfalls der Wunsch des Unternehmerverbands TÜSIAD. (Screenshot via Youtube)

Der türkische Unternehmerverband TÜSIAD mischt sich erneut nach 13 Jahren in die türkische Politik ein. Die Vorsitzende des Verbands, Cansen Başaran Symes, hat am Dienstag die Chefs der Parteien CHP und MHP besucht, um diese über die politischen Präferenzen des Verbands zu informieren, berichtet Haberturk. Am Mittwoch soll die AKP besucht werden.

TÜSIAD wünscht sich eine Koalition zwischen der AKP und CHP mit Kemal Derviş als Wirtschaftsminister, berichtet T24. Derviş ist ein Vertreter der globalen Finanz-Eliten und der Weltbank. Von 2001 bis 2002 war er schon einmal Wirtschaftsminister der Türkei. Doch auch die Wirtschaftsexpertin der CHP und Bilderberg-Vertreterin Selin Sayek Böke wird bei den Unternehmern als mögliche Wirtschaftsministerin gehandelt.

Die TÜSIAD-Mitglieder setzen sich aus den reichsten Unternehmer-Familien der Türkei zusammen. In der Vergangenheit haben diese sich immer wieder in die Politik eingemischt, um Regierungsbildungen herbeizuführen oder Regierungen zu stürzen. Diesmal wünschen sie sich kein Chaos, sondern eine Regierung, die nicht unter dem Einfluss des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan steht.

TÜSIAD gehörte zu den Unterstützern des Putsches im Jahr 1980. Auch der Putsch-Versuch im Jahr 1997 wurde massiv von TÜSIAD unterstützt, schreibt der Vatan-Journalist Hüseyin Yayman in einem Artikel.

Denn die steinreichen türkischen Industriellen-Familien vom Bosporus versuchen ihre Privilegien im Land beizubehalten. Im Jahr 2011 legte TÜSIAD der türkischen Regierung sogar einen ausgearbeiteten Vorschlag zur Verfassungs-Reform vor und forderte von ihr deren Umsetzung.

Zahlreiche TÜSIAD-Größen wie der Unternehmer Cem Boyner oder Ali Yıldırım Koç unterstützten öffentlich die Gezi-Park-Proteste, die auch Zentrum für angewandte gewaltlose Aktion und Strategien (Canvas) unterstütz und gefördert wurden, berichtet die Zeitung Milliyet.

Aus Wikileaks-Dokumenten geht hervor, dass Canvas unter anderem von den US-Organisationen Freedom House, the International Republican Institute, NED, Open Society Institute, United States Institute of Peace und USAID finanziert wird. Das französische Institut Centre français de recherche sur le renseignement (CF2R) berichtet, dass der ehemalige CIA-Direktor James Woolsey für die Ausbildung von Canvas-Aktivisten zuständig ist.

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