Wenn die Sonne niemals untergeht: Für schwedische Muslime ist der Ramadan besonders hart

Hitze ist für gläubige Muslime während des Ramadans in Schweden nicht das Problem. Es ist der ungewöhnliche Hell-Dunkel-Zyklus, der den Fastenden zu schaffen macht. In einigen Regionen geht die Sonne sprichwörtlich gar nicht unter. Doch wonach sollen sie sich richten?

Für Muslime in Nordeuropa ist Ramadan im Sommer eine besondere Herausforderung. (Foto: Flikr/ sy ihop sitt underställ framför brasan by Ofog direktaktion för fred CC BY 2.0)

Für Muslime in Nordeuropa ist Ramadan im Sommer eine besondere Herausforderung. (Foto: Flikr/ sy ihop sitt underställ framför brasan by Ofog direktaktion för fred CC BY 2.0)

Das schwedische Städtchen Luleå ist vielen Muslimen ein Begriff. Die rund 47.000 Einwohner starke Gemeinde in der nordschwedischen Provinz Norrbottens län schaffte es 2013 in die Schlagzeilen, weil die Fastenzeiten während des Ramadans dort besonders lange ausfielen. Rekordverdächtige 21 Stunden betrug die Phase der Enthaltsamkeit. In diesem Jahr hat sich die muslimische Community beraten und einige Tipps für Gläubige zusammengestellt.

Das Dilemma von 2013 gibt es aufgrund der geographischen Lage natürlich auch zum diesjährigen Ramadan. Während Touristen die Mitternachtssonne in Lappland fasziniert, haben Muslime folgendes Problem: „Am 18. Juni 2015 geht die Sonne in Luleå niet auf order unter. Die astronomische Abenddämmerung geht in die Morgendämmerung über. Die astronomische Nacht kommt im Sommer nicht vor“, heißt es hierzu auf sunrisesunset.de.

Die Gläubigen in Luleå, die aus der Türkei, Afghanistan, Pakistan, Iran, Irak, Syrien und Tunesien stammen, haben sich auf ihre ungewöhnliche Situation eingestellt. In ihrer wohl nördlichsten Moschee der Welt laufen die Gebete zwischen den Mahlzeiten etwas schneller ab. Iftar und Suhur liegen einfach zu dicht beeinander.

Mohammed Kharaki, ein Sprecher der schwedischen Islamic Association, sagte im Gespräch mit dem Independent, dass die Organisation just in dieser Woche Leitlinien herausgegeben habe, um den Fastenden wenigstens ein bisschen Orientierung zu liefern. Ihm zufolge sollten die Gläubigen zwischen der Zeit, in der die Sonne zuletzt deutlich steigend zu erkennen gewesen sei bis zu jenem Zeitpunkt, an dem sie zuletzt deutlich fallend zu sehen wäre, fasten. Wesentliche Erleichterung verschafft das allerdings nicht. Denn trotz dieses Zugeständnisses könnte sich die Fastenzeit nach wie vor auf rund 19 Stunden ausdehnen. Dessen ist sich auch Kharaki bewusst. Er rät deshalb, nicht allzu streng mit den Tageslichtregeln umzugehen. Natürlich könnten die Leute versuchen, diese Zeitspanne durchzuhalten. Doch es sei auch nicht Sinn der Sache, dass sie zusammenbrächen.

Einen Vorteil hat der Wohnort im hohen Norden dann aber doch. Die kühleren Temperaturen machen das Fasten auch im Sommer erträglich. Und da sich der Ramadan schließlich jedes Jahr um etwa elf Tage verschiebt, sind sie vom Problem der langen Fastenphasen auch ein gutes Stück der Zeit verschont.

In Norwegen haben sich die Muslime übrigens bereits 2014 darauf geeinigt, sich nach Mekka zu richten, berichtete die FAZ. Auch in Finnland hätten sich viele darauf verständigt. Andere packen in der Ferienzeit auch gleich die Koffer und reisen in muslimische Länder.

In Schweden wurde der Ramadan übrigens erst kürzlich zur schwedischen Tradition erklärt. So stellte unter anderem der Politiker Anders Jonsson heraus: „Es reicht, wenn eine Gruppe von Menschen ein Ereignis feiert, dann wird es zu einer schwedischen Tradition, egal ob alle mitmachen oder nur wenige. Wenn Muslime bei uns den Ramadan über viele Jahre praktizieren und das Fastenbrechen an dessen Ende begen, so ist es eine schwedische Tradition.”

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