PKK erklärt Kurden-Präsident im Nordirak den Krieg

Ein hochrangiger PKK-Führer hat den Abbruch aller Beziehungen mit der kurdischen Autonomieregierung im Nordirak verkündet. Dieser wirft der PKK-Mann Feinseligkeit gegenüber der HDP und der PKK vor. Dies kommt einer Kriegserklärung gleich. Dabei hatten sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und sein kurdischer Amtskollege im Nordirak, Masud Barzani vehement für eine Schicksalsgemeinschaft zwischen allen Türken und Kurden eingesetzt.

Der Präsident der Autonomen Region Kurdistans (KRG), Masud Barzani (hier in der Mitte), und Präsident Tayyip Erdoğan (hier rechts) treiben die Partnerschaft zwischen dem Nordirak und der Türkei voran. (Screenshot via akparti.org.tr)

Der Präsident der Autonomen Region Kurdistans (KRG), Masud Barzani (hier in der Mitte), und Präsident Tayyip Erdoğan (hier rechts) treiben die Partnerschaft zwischen dem Nordirak und der Türkei voran. (Screenshot via akparti.org.tr)

Der hochrangige PKK-Führer Duran Kalkan hat im Rahmen eines Interviews auf dem kurdischen Fernsehsender Mednuçe TV den Abbruch aller Beziehungen zum Präsidenten der Autonomen Region Kurdistans, Masud Barzani, und der KDP (Demokratischen Partei Kurdistans) erklärt.

Barzani ist auch gleichzeitig Chef der KDP. „Die alte Mächtebalance hat sich verändert. Unsere Beziehungen sind am Ende. Die KDP hat nicht damit gerechnet, dass die HDP es ins türkische Parlament schafft. Deshalb haben sie sich nicht davor gescheut, Stellung gegen die PKK zu beziehen“, zitiert der kurdische Mediennetzwerk Rudaw , welches ihren Hauptsitz in der nordirakischen Stadt Arbil hat, Kalkan.

Kurdenpräsident Masud Barzani beschuldigt die PKK-Führer hingegen, einen inner-kurdischen Bürgerkrieg provozieren zu wollen.

Im Jahr 2013 machte der ehemalige türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan einen wichtigen Schritt im Friedensprozess mit den Kurden. Er traf sich in Diyarbakır mit dem Kurden-Präsidenten des Nordirak, Masud Barzani. Beide beschwörten eine türkisch-kurdische Schicksalsgemeinschaft. Der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan unterstützte diesen Prozess. Doch die aktiven PKK-Kämpfer beäugten diese Entwicklung teilweise mit Argwohn.

So ergibt sich folgendes Bild: Während der politische Arm der PKK – die HDP – aktiv von Politikern und Parteien aus Europa und teilweise aus den USA unterstützt wird und sich nicht nur gegen den türkischen Staat, sondern auch gegen die kurdische Autonomieregierung im Nordirak richtet, gibt es eine Kooperation zwischen Erdoğan, Barzani und Öcalan.

Diese Lagerbildung geht unter anderem aus einem geleakten Gespräch zwischen dem Bauunternehmer Süleyman Hamit Müftigil und einem Journalisten der Zeitung Sözcü hervor.

Müftigil sagt dem Journalisten, dass am 28. Oktober 2013 eine Kurdenkonferenz in Washington D.C. stattfinden soll. Der HDP-Politiker Selahattin Demirtaş und die gesamte kurdische Diaspora seien eingeladen. Auch der syrische Kurdenführer Salih Muslim sei eingeladen. Die Teilnehmer seien allesamt Gegner Abdullah Öcalans.

Sie seien nicht interessiert am Friedensprozess, der von Erdoğan und Öcalan ins Leben gerufen wurde. Die Anti-Öcalan-Fraktion werde von einigen Abgeordneten aus dem US-Kongress unterstützt, so Müftigil. Öcalan habe nichts mehr zu melden. Müftigil deutet an, dass Israel die Anti-Öcalan-Fraktion unterstützen würde. Doch konkrete Namen nennt er nicht. Er erwähnt beispielsweise auch nicht, dass die Obama-Regierung interessiert ist am Friedensprozess zwischen Kurden und Türken. Im US-Kongress gibt es deshalb auch viele Obama-Gegner.

„Von nun an beginnt wieder der bewaffnete Kampf. Öcalan muss sich aufgrund seiner Haftstrafe friedfertig zeigen. Doch die anderen akzeptieren das nicht mehr. Sie sagen Öcalan, dass er sich endlich `verpissen´ oder `verrecken´ soll.“

Der Sözcü-Journalist zeigt sich verwundert und betroffen, da der Kurdenkonflikt wieder aufflammen könnte. Daraufhin antwortet Müftigil, dass das türkische Volk ohnehin „dumm“ sei. „Die sind wie Schafe und haben nicht den blassesten Schimmer darüber, was wirklich los ist“, so Müftigil. Besonders bemerkenswert ist, dass Müftigil die politische Entmachtung Erdoğans und Barzanis als erforderlich erachtet.

Es geht also schlussendlich darum, die Lösung des Kurdenproblems zu verhindern, um die Türkei und die Kurden unter Kontrolle zu halten und sie gegeneinander auszuspielen.

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