«Eine der wichtigsten Stimmen»: Friedenspreis für Navid Kermani

Navid Kermani ist Romancier und Orientalist - und sucht als deutscher Autor iranischer Herkunft stets das Verbindende zwischen den Kulturen und Religionen. Nach vielen anderen Preisen kommt eine besonders renommierte Auszeichnung hinzu.

In seinen Sachbüchern hat sich Kermani unter anderem mit dem Koran und der islamischen Mystik beschäftigt. (Foto: Copyright: Das blaue Sofa / Club Bertelsmann)

In seinen Sachbüchern hat sich Kermani unter anderem mit dem Koran und der islamischen Mystik beschäftigt. (Foto: Copyright: Das blaue Sofa / Club Bertelsmann)

Navid Kermani, deutscher Schriftsteller und Orientalist mit iranischen Wurzeln, erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2015. Dies teilte der Stiftungsrat am Donnerstag in Frankfurt mit. Der 47-Jährige sehe sich nicht nur der Würde jedes einzelnen verpflichtet, sondern auch dem Respekt für die verschiedenen Kulturen und Religionen, hieß es zur Begründung. Damit sei Kermani derzeit eine der wichtigsten Stimmen, die einen Beitrag zum friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft lieferten.

In seinen Sachbüchern hat sich Kermani unter anderem mit dem Koran und der islamischen Mystik beschäftigt. In seinen Romanen wie zuletzt «Große Liebe» (2014) geht es ihm um Grundfragen der menschlichen Existenz wie Liebe, Sexualität und Tod. Sein 1200 Seiten umfassendes Monumentalwerk «Dein Name», in dem er auch seine Familiengeschichte verarbeitet hat, erschien 2011.

Kermani hat auch jüngst in Reportagen aus den Kriegsgebieten des Nahen und Mittleren Ostens berichtet. Im vergangenen Jahr rief er in seiner Festrede vor dem Bundestag zum 65. Geburtstag des Grundgesetzes zu einer großzügigeren Flüchtlingspolitik auf. Den Einsatz Kermanis «für eine offene europäische Gesellschaft», die Flüchtlingen Schutz biete und der Menschlichkeit Raum gebe, würdigte auch der Stiftungsrat.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete den Preisträger als kritischen Denker und streitbaren Wissenschaftler. Seine Biografie und sein publizistisches Wirken zeigten, wie wichtig und bereichernd der Perspektivwechsel zwischen zwei Kulturen sei, erklärte der SPD-Politiker.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat Kermani als «Brückenbauer» gelobt. Er stehe «für ein neues Deutschland», sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek. «Er macht die Verschiedenheit der Religionen und Kulturen in unserem Land begreifbarer und lässt speziell den Islam somit nicht mehr fremd erscheinen.»

Kermani, 1967 als Sohn einer iranischen Arztfamilie in Siegen geboren, lebt seit langem in Köln. Er hat für sein Werk bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Den Friedenspreis wird am 18. Oktober zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse entgegennehmen.

Er könne es «noch gar nicht richtig fassen», sagte der 47-Jährige am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Ich bin mit dem Friedenspreis als Kind aufgewachsen.» Er freue sich vor allem auch, dass seine 1959 nach Deutschland eingewanderten Eltern dabeisein könnten.

Der seit 1950 vergebene Preis, mit 25 000 Euro dotiert, ist einer der bedeutendsten in Deutschland. Geehrt wird damit eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland, die vor allem auf den Gebieten Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat.

Zu den bekanntesten Preisträgern gehören Albert Schweitzer (1951), Hermann Hesse (1955), Astrid Lindgren (1978), Siegfried Lenz (1988), Mario Vargas Llosa (1996), Martin Walser (1998), Jürgen Habermas (2001), Orhan Pamuk (2005) und David Grossman (2010). Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an den amerikanischen Internetpionier und -kritiker Jaron Lanier.

Mehr zum Thema:

Kermani: Pazifismus im Fall IS wäre verbrecherisch

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.