Dritter Airport Istanbul: Russen steigen mit 500 Millionen Euro ein

Die türkischen Bauer des dritten Flughafens von Istanbul bekommen finanzielle Unterstützung aus Russland. Wie nun bekannt wurde, sei bereits eine Absichtserklärung mit der größten russischen Bank, der Sberbank, unterzeichnet worden. Es geht um nicht weniger als 500 Millionen Euro.

Der türkischen Baufirma IGA Havalimani Isletmesi A.S. wird ein Fonds von 500 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Abgewickelt wird der Deal über die türkische Denizbank, die der Sberbank-Gruppe angehört.

Der Deal sei über einen Transaktionszeitraum von 16 Jahren angelegt. Unterzeichnet worden sei dieser im International Economic Forum in St. Petersburg von Sergey Gorkov, stellvertretender Vorsitzender der Sberbank, sowie Mehmet Cengiz, Nihat Özdemir und Jamal Kalyoncu, vom IGA Airport Management, berichtet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

„Wir freuen uns, dass wir sowohl am Bau als auch am Betrieb des weltweit größten Flughafens, (…) beteiligt sind und diesen mitfinanzieren“, so Gorkov zum Kreditvorhaben. Der neue Flughafen soll die Rekordjahreskapazität von 150 Millionen Fluggästen erreichen. Errichtet werden soll er zwischen den Dörfern Tayakadin und Akpinar in der Nähe des Schwarzen Meeres auf der europäischen Seite von Istanbul. Der neue Flughafen soll aus sechs Landebahnen, 16 Rollbahnen, 165 Fluggastbrücken und einem 6,5 Millionen Quadratmeter großen Flugfeld mit einer Parkplatz-Kapazität für 500 Flugzeuge bestehen. Die Kosten für das Mega-Projekt wurden mit 22 Milliarden Euro über die kommenden 25 Jahre angesetzt. Mittlerweile liegen die Schätzung jedoch bei satten 32 Milliarden. Der Airport soll rund 100.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Weitere 1,5 Millionen sollen in weiteren Teilsektoren entstehen.

Die Regierung möchte die erste Stufe des Vier-Phasen- Projekts eigentlich bereits im Jahr 2016 abschließen und hofft, dass der Mega-Airport im Jahr 2018 voll funktionsfähig sein wird. Den Zuschlag für den dritten Airport erhielt das Limak Konsortium (mehr hier). Die darin vereinigte Cengiz Holding, Kolin Holding, Limak Holding, Mapa Holding und die Kalyon Holding haben ab 2017 das Recht, den geplanten Flughafen für 25 Jahre zu betreiben.

Probleme bereitete der Airport jedoch schon im Vorfeld. So zweifelt der Vorsitzende des türkischen Flughafenbetreibers TAV und der Akfen-Holding, Hamdi Akin, an der richtigen Dimensionierung des im Bau befindlichen dritten Flughafens von Istanbul. Seiner Ansicht nach hätte der Komplex zunächst viel kleiner ausfallen und stattdessen später nach und nach vergrößert werden können.

Umweltschützer und Anwohner sehen das Projekt ebenfalls kritisch. In einem Bericht der Umweltverträglichkeitsprüfung (ÇED) heißt es, dass sich derzeit 2.513,341 Bäume auf den Baugelände des dritten Istanbuler Flughafens befinden. 657.950 werden abgeholzt. Die restlichen 1.855,391 müssen umgepflanzt werden. Ein Gericht hat das Bauvorhaben erst im Februar 2014 wegen Umweltbedenken gestoppt (mehr hier).

Die Dimensionen werden auch in Deutschland kritisch beäugt. Wenn auch aus rein ökonomischer Perspektive. So zeigte sich Peter Schmitz, Vorstandsmitglied bei Fraport und dort zuständig für den Bereich Operationen, im November 2013 vom Plan des Baus eines dritten Flughafens Istanbul beunruhigt. „Frankfurt ist eines der wichtigsten Zentren für den Flugverkehr in Europa (…) Ein dritter Flughafen in Istanbul wäre für uns in dieser Hinsicht ein Konkurrent, da Istanbul dann ein wichtiger Hub für Flüge in Richtung Osten würde.“ Durch die zu erwartenden Transfers in Richtung Osten würde die wirtschaftliche Bedeutung dorthin verlagert werden, so Schmitz weiter. Istanbul werde zu einem natürlichen Umschlagplatz werden. Das werde auch durch die aggressiven Wachstumspläne von Turkish Airlines unterstützt.

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