Überwachung oder Sicherheit? Istanbuler Busse werden mit Kameras ausgestattet

Die Istanbuler Stadtverwaltung will das Fahren in öffentlichen Bussen und Minibussen sicherer machen. Um Kriminelle abzuschrecken und Passagiere zu schützen, soll künftig alle Fahrzeuge mit Überwachungskameras und Global Positioning Systemen (GPS) ausgestattet werden. Private Besitzer dieser Verkehrsmittel haben bis Ende Juni Zeit, ihre Fahrzeuge nachzurüsten. Andernfalls wird ihnen ihre Lizenz entzogen.

Der Mord an der Studentin Özgecan Aslan hat die türkische Öffentlichkeit aufgerüttelt. (Foto: Flickr/ Strange looking mini buses by shankar s. CC BY 2.0)

Der Mord an der Studentin Özgecan Aslan hat die türkische Öffentlichkeit aufgerüttelt. (Foto: Flickr/ Strange looking mini buses by shankar s. CC BY 2.0)

Mit der neuen Technik an Bord soll in Zukunft das Verhalten der Fahrer näher beleuchtet werden können. Zudem besteht eines der obersten Ziele darin, sexuelle Belästigungen von weiblichen Passagieren einzudämmen.

Nach Einschätzung von Ramis Yılmaz, Leiter einer Vereinigung von Minibus-Betreibern auf der asiatischen Seite Istanbuls, sei die Installation von Kameras und GPS im Falle Falle eines Verbrechens, wie sexueller Belästigung, Diebstahl oder einer Gewalttat, wesentlich für die Sicherheit der Fahrgäste, Fahrer und Fahrzeuge, berichtet die türkische Zeitung Sabah.

Seiner Ansicht nach könnten damit Taten, wie der Mord an der Studentin Özgecan Aslan, in Zukunft verhindert werden (mehr hier). Ein Minibusfahrer hatte vergangenen Februar versucht, die 20-jährige Aslan zu vergewaltigen, nachdem alle Fahrgäste ausgestiegen waren. Als sie sich wehrte, attackierte er sie mit einem Messer und schlug mit einer Eisenstange auf ihren Kopf ein. Mithilfe seines Vaters und eines Freundes verbrannte er die Leiche anschließend.

Nach der grausamen Tat wurde die Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln in der Türkei unter die Lupe genommen. Einige Medien hatten in diesem Zusammenhang bereits von so genannten Panikknöpfen berichtet, die in den Bussen installiert werden sollen. Offizielle Verlautbarungen dazu gibt es bislang aber nicht.

Mit Hilfe der GPS-Systeme wäre es künftig möglich, die Routen der Busse genau nachzuverfolgen. Von Bedeutung wäre das vor allem dann, wenn diese von den angestammten Wegen abweichen. Im Fall der Studentin war das so. Aslan wurde auf einer abgelegenen Straße abseits der Busroute ermordet.

Im Zuge dieses Falls berichteten zahlreiche Frauen in den sozialen Medien über ihre Erfahrungen mit Bussen und Minibussen, so das Blatt weiter. Gerade nach Einbruch der Dunkelheit oder in abgelegenen Stadtteilen stelle das für viele eine echte Herausforderung dar. Belästigungen durch Fahrer oder andere Fahrgäste seien keine Seltenheit.

Mehr zum Thema:

Gegen Überwachung: Entwickler planen Verschlüsselung des gesamten Internets
Überwachung von Privatpersonen: Regierungen beauftragen private Firmen
Überwachung von Muslimen: New York beendet umstrittenes Polizei-Programm

 

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.